*Geschichte Darmstadts
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*Darimund, der mythische Gründer von Darmstadt
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*Hexenwahn in Darmstadt
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*Burg Frankenstein, Shelley und die Konstruktion eines Mythos

*Das Frankensteiner Eselslehen und das Böse Hundert von Darmstadt

*Die Darmstädter Kolonie am Llano River

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Geschichte Darmstadts


Nachwort zu den Quellen:

Das 1980 von Eckhart G. Franz herausgegebene und von Friedrich Battenberg, Jürgen Rainer Wolf, Eckhart G. Franz und Fritz Deppert verfasste Darmstadts Geschichte: Fürstenresidenz und Bürgerstadt im Wandel der Jahrhunderte ist nach wie vor die umfangsreichste Quelle zum Thema. Leider ist es damit nicht nur hoffnungslos veraltet, es liest sich zudem so spannend wie der Bericht eines Buchhalters. Dennoch ist es die einzige Quelle, die einen halbwegs realistischen Überblick über die gesamte Geschichte Darmstadts gibt. Das neuere (und völlig überteuerte) Stadtlexikon Darmstadt ist schon rein konzeptionell kein Ersatz.

Lebhafter und interessanter, dafür konzeptionell etwas wirr ist das im gleichen Jahr von Fritz Deppert und Karl-Eugen Schlapp herausgegebene Darmstädter Geschichte(n). Befremdlich ist allerdings, dass in diesem Werk auch der Holocaustleugner David Irving zu Wort kommen darf, während man es an anderer Stelle mit der politischen Korrektheit geradezu übertreibt: die Sage Ludwig VIII. und die Zigeuner wurde – entgegen der übrigen Texte – nicht einfach so belassen wie sie in den Quellen, z.B. in dem von Heinrich Künzel 1856 herausgegebenen Geschichte von Hessen, insbesondere Geschichte des Großherzogthums Hessen und bei Rhein, zu finden ist. Statt dessen erzählt Fritz Deppert die Sage verkürzt nach. Grund dafür war wohl der im ursprünglichen Text an jeder Ecke hervorquillende, tiefsitzende Rassismus, so dass man Deppert hier wohl edle Motive unterstellen kann. Dennoch macht die damit auf ein Sechstel des ursprünglichen Textes geschrumpfte Sage so überhaupt keinen Sinn mehr. Bedenkt man zudem das kurz nach Veröffentlichung dieses Buches unter Oberbürgermeister Metzger stattfindende, fragwürdige Vorgehen gegenüber einigen Roma-Familien, wiegt diese Schönfärbung besonders schwer.

Ebenfalls durch seine Schönfärbungen auffällig und trotzdem eine der Hauptquellen zu Darmstadts Geschichte ist Manfred Knodts Die Regenten von Hessen-Darmstadt. Auch dieses Buch ist nur mit der notwendigen kritischen Distanz empfehlenswert, da es zum einen sehr oberflächig ist, zum anderen schwärmerisch einseitig. Zudem verliert der Autor sich immer wieder in abschweifende Gedanken, die mit dem eigentlichen Konzept des Buches nichts zu tun haben. Bei dem Kapitel, das eigentlich von Ludwig IV. handeln soll, erfährt man in erster Linie nur Dinge über seine Ehefrau Alice, wohl weil deren Biographie sich besser zum undistanzierten Schwärmen eignet als die des Großherzogs.

Unverzichtbar, seriös und nah an den Originaldokumenten ist dagegen das Internetangebot des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt, das leider allem Anschein nach nicht mehr ordentlich gepflegt wird: http://www.digada.de. Hier finden sich auch nicht wenige, anderweitig nur vor Ort im Archiv einsehbare Originaldokumente eingescannt, wie z.B. Landgraf Georgs I. Agenda aus dem 16. Jahrhundert. Dies ist die mit Abstand qualitativ beste Quelle, leider nur sehr fragmentarisch.

Die Verfassungsurkunde für das Großherzogtum Hessen vom 17. Dezember 1820, eine weitere wichtige Primärquelle, ist ebenfalls im Internet abrufbar: und zwar hier.

In Bezug auf die Brandnacht empfiehlt sich der Dokumentarfilm Brandmale – Darmstadt und die Bombennacht von Jutta und Christian Gropper.

Ältere Quellen, vor allem jene aus dem 19. Jahrhundert sind durchaus brauchbar, jedoch mit äußerster Vorsicht zu genießen. So z.B. die durchaus umfang- und aufschlussreiche Neuere Geschichte von Hessen von Christoph von Rommel aus dem Jahre 1837. Mit welch großer Vorsicht solche Werke jedoch immer gelesen werden sollten, mag man an diesem Beispiel sehen:

Gegen die Juden“, so berichtet der Verfasser nicht ohne Stolz über Georg I., „war er unduldsam (und vertrieb sie, wo er konnte), nicht allein, wie einer seiner geistlichen Lobredner sagt, um die Synagogen des Satans zu zerstören, sondern, weil sie bei geringem Absatz der Landesproducte Handel und Gewerbe ausschließlich an sich zogen, durch Wucher seine Unterthanen aussogen, dem kaiserlichen Fiscus angehörten, und unter den Privilegien der benachbarten Freiherren sich jährlich vermehrten".

Da kommen schon alle Klischees und Vorurteile zusammen, gepaart mit dem "gelehrten Unwissen" des Protestantismus, der Begriffe in der Bibel fand, hier Synagoge des Satans, und in Unwissen der Hintergründe einfach so ummünzte, wie es einem in den Kram passte. Tatsächlich dürften mit der Synagoge des Satans, die in der Offenbarung des Johannes erwähnt wird, die Heidenchristen gemeint gewesen sein, also die hauptsächlich durch Paulus betriebene Öffnung des Christentums gegenüber Nichtjuden. Mangels Verständnis wurde es zu einem antijüdischen Kampfbegriff, womit man die Geschichte in gewisser Weise auf den Kopf stellte.

Ähnlich verhält es sich mit der an sich auch recht ordentlichen Biographie Georg I., Landgraf von Hessen-Darmstadt von Johann Steiner aus dem Jahre 1861. Möglicherweise um mitten in der Reaktion keinen Ärger mit seinem Großherzog zu bekommen, verfällt er, als er auf die Hexenverfolgungen unter Georg I. zu sprechen kommt, auf äußerst befremdliche Art und Weise in geradezu voraufklärerische Ideenwelten und spricht von einer "gefährlichen Menschenklasse, [...] den in allen Ländern verbreiteten Zauberern...", denen er den "bösen Willen, Anderen zu schaden" unterstellt. An Zauberei selbst glaubt Steiner natürlich nicht mehr, schiebt die Schuld für die Verurteilungen sogenannter Hexen aber Betrügern zu, die sich als Zauberer ausgaben, und so die "Richter vollends irre geführt" hätten. Unschuldig Hingerichtete sind für ihn Opfer von betrügerischen Menschen, die sich als "Zauberer" ausgaben. Eine recht dreiste und reichlich wirre Rechtfertigung der absurden Urteilssprüche dieser Zeit... unverschämt ist da, dass Steiner lang und breit die mahnenden Stimmen auf der hessischen Generalsynode von 1582 erwähnt, aber verschweigt, dass es ja gerade Georg I. war, der für ein deutlich härteres Vorgehen gegenüber den "Zauberern" eintrat und just in diesem Jahr mit dem fröhlichen Hexenbrennen anfing, als einziger der vier landgräflichen Brüder.

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