Land der vergessenen Träume

Alternativer Prolog Nr. 1


Die Sonne ging unter über dem Land der vergessenen Träume. Niemand sah ihr zu. Niemand sah den roten Himmel. Niemand sah die Mystik, von der sie behaupteten, dass sie irrational wäre, dass sie gar nicht existiere außerhalb des menschlichen Denkens.

Geschäftiges Treiben herrschte auf den Straßen. Menschen eilten nach Hause, um zu essen und ihre Lieblingsserie zu sehen. Keiner sah den Himmel, der an einem unendlich weit entfernten, längst vergessen Ort die Erde zu berühren schien. Keiner spürte den Wind, der lau über ihrem toten Land wehte und erzählte von dem Leben, das er gesehen hatte. Keiner glaubte mehr an Mystik.

Ein Vogel flog aus der Sonne über dieses Land. Er schrie. Keiner hörte ihn. Sie alle waren mit den letzten Einkäufen beschäftig, mit dem Ärger über die Rote Ampel oder der Werbung, die gerade ihre Serie unsensibel unterbrach. Niemand glaubte mehr an Mystik. Niemand glaubte mehr an Vögel. Niemand glaubte mehr an die Sonne.

Doch in einem unbeobachteten Augenblick blieb ein junger Mann ganz konsumunwillig stehen, drehte sein Gesicht zur Sonne, schloss die Augen und atmete tief ein.

Plötzlich verschwand der Lärm der Straße. Die Stimmen der Menschen wurden fortgetragen und vor seinen Augen verschwand dieses Land und ein neues entstand.

Er sah ein weites, grünes, hügeliges Tal mit einem nahe angrenzenden Wald, der seine Kundschafter bereits auf das Tal geschickt hatte, die nun wie urzeitliche Giganten dem Wind trotzten, der ganz unmerklich stärker geworden war.

Der Vogel kehrte zurück und setzte sich auf einen Baum. Er schrie. Es war ein lauter Schrei, der den jungen Mann aus Ehrfurcht vor der Welt auf die Knie sinken ließ. Er griff nach dem Gras, das unter ihm wuchs, sah seine Hände zittern und begann zu weinen. Es waren die Tränen der Befreiung.

Er sah nun wieder über dieses endlose Tal, das vor seinen Augen schon wieder zu verschwinden schien, doch nicht ohne ein Feuer zu hinterlassen, das sich in seinem Gehirn einbrannte und ihn daran erinnerte, woher er kam.

Er würde sich erinnern an diese hügeligen Wellen, diese Momentaufnahme der Ewigkeit. Denn vielleicht sind wir trotz unserer großen Bauten für die Ewigkeit unsichtbar, da die Flut zu schnell ist, um uns eine Chance zu geben.

Irgendwo dazwischen, zwischen den Träumen und der Realität liegt die Wahrheit.


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