Kapitel 10

Revolution


In der Dunkelheit der Nacht stand Michael am Ufer und starrte über den See. Nebel lag über dem Wasser, unerklärlicher, mystischer Nebel. Die Sterne und der Mond schienen hell in einem Streifen von Licht, der in dem schwankenden Wasser des Sees in unzählige Dimensionen gebrochen wurde. Das Licht durchdrang den Schleier, der alles verzerrte

Der Nebel waberte langsam hin und her, so als hätte er ein Eigenleben, als wäre er beseelt. Michael stand barfuß beim Wasser und als der Nebel seine Füße erreichte, zuckte er zurück.

Er stieß gegen etwas oder jemanden und als er sich erschrocken umwandte, sah er die Augen von Nadja, die ihn anstrahlten.

"Oh, äh… hi, du…bist… was, äh…"

Sie lächelte nur und sagte nichts. Sie ging an ihm vorbei und setzte sich nahe des Wassers auf den Boden.

Michael atmete tief ein, versuchte sich zu erinnern, ob er an diesem Tag schon irgendwelche Drogen genommen hatte, er fürchtete sie könnte nur eine Erscheinung sein, die auf Halluzinogenen beruhte, doch da war nichts in seinem Gedächtnis. Sie saß zwei Schritte von ihm entfernt und blickte in den Nebel über dem Wasser.

"Warst du mittlerweile dort?" fragte sie und Michael glaubte, sie meinte die Insel, weil sie in diese Richtung blickte.

"Wo?"

"In Südamerika."

"In Südamerika?"

Immer noch sitzend drehte sie sich um und sah zu ihm hoch. "Setz dich doch."

Sie wartete bis er neben ihr saß und wandte ihr lächelndes Gesicht dann wieder dem Wasser zu. Aus ihrer Hosentasche zerrte sie ein Päckchen Zigaretten, sie hielt es ihm offen entgegen, fünf oder sechs Zigaretten dürften noch in der Schachtel gewesen sein.

"Nein", wies er sie zurück, "ich rauche keinen Tabak, das Zeug bringt einen um."

"Jetzt nimm schon, Tabak ist ein spirituelles Geschenk, es zu kaufen mag ein Fehler sein, aber lehne niemals ab, wenn dir jemand Tabak schenken will."

Er griff in das Päckchen und zündete seine Zigarette an ihrem Streichholz an, das sie dann ins Wasser warf, den Nebel zerschnitt und dann unterging in den Tiefen des Sees.

"Dieser merkwürdige Nebel", murmelte Michael und zog an dem glühenden Stängel, "wann wohl endlich das Gewitter kommt?"

"Heute nicht mehr, der Himmel ist viel zu klar."

"Ja, aber diese Schwüle… und dieser Nebel, dieser seltsame, skurrile, absonderliche Nebel."

Er blickte wieder zu ihr und wünschte sich die Ewigkeit. Nie mehr sollte dieser Moment enden, nichts hätte ihn perfekter machen können und nichts hätte ihn näher an den Himmel bringen können.

Sie blickte ihn nicht an, sie sah in den Nebel, der, wenn auch in einem anderen Rhythmus, genauso hin und her floss. Formen und Erscheinungen bildeten sich in ihm, Lichter bewegten sich in der Ferne durch das Wasser, Fackeln getragen von Geistern, Wellen bewegt von Feen, Geschichten erzählt von Toten. Er war eins mit dem Universum, sein materieller Körper die Grenzen einer Dimension, aber nicht das Ende seiner selbst. Die Sterne kämpften sich immer noch durch den Nebel und verlangten die Aufmerksamkeit des Windes und des Wassers. Sie reagierten auf das Bewusstsein des Mondes und spürten sein Verlangen angesehen zu werden. Er sprach zu ihnen, ohne ein Wort zu sagen, da Worte nun wieder bedeutungslos waren. Sie kannten sich seit Jahrmillionen und auch wenn sie sich nie wieder sehen sollten, es würde nichts daran ändern, denn ein unsichtbares Band hatte ihre Seelen aneinander gekettet und die Sehnsucht erfüllte sie mit Leben.

"Hast du je den Film The Brave gesehen?" fragte sie.

"Nein."

"Das war Johnny Depp's erster Film als Regisseur, wobei er auch die Hauptrolle übernahm, doch als er eine Rohfassung in Cannes zeigte, wurde er von den Kritikern zerrissen wie kaum ein Film zuvor. Man sprach von Depp's schlechtesten Leistung als Schauspieler, die selbst der Gastauftritt von Marlon Brando nicht retten konnte. Er wäre zu lange im Bild, hätte immer denselben Blick drauf und überhaupt habe der Film große dramaturgische Fehler. Die Kritik war so vernichtend, dass der Film nie im Kino gezeigt wurde, lediglich in kleiner Stückzahl auf Video erschien."

"Und? Ist er wirklich so schlecht?"

"Na, überleg doch mal, wenn sich so viele Menschen so über einen Film schimpfen, dann kann er doch eigentlich nur gut sein, oder?"

"Also spielen sich die Kritiker auf und zerstören einen gut gemachten Film?"

"Nein, der Film hat große dramaturgische Fehler, Johnny Leistung als Schauspieler war selten schlechter und er hat immer denselben Blick drauf."

"Ich versteh nicht."

"Siehst du da hinten?"

"Was?"

"Da hinten im Nebel, ist das nicht ein Eisberg?"

Er starrte in das schimmernde Grau der Nacht und versuchte irgendwas hinter all dem Dunst zu erkennen, doch so sehr er sich auch bemühte, er sah nichts.

"Es ist Hochsommer und das ist ein kleiner See, das kann gar kein Eisberg sein", schloss er schließlich.

"Was ich mich frage ist, wieso das Leben von Schauspieler und Sportler so viel mehr Interesse hervorruft als das Leben meines Nachbarn, wenn wir doch immer nur wieder feststellen, dass die Superstars auch nur Menschen sind voller Fehler und Irrtümer. Damit uns ein Film gefällt, muss uns immer wieder von neuem gesagt werden, dass er gut ist, wieder und wieder und wieder und wieder. Wenn uns jeder erzählt, der Film ist scheiße, dann sagen wir auch zu niemanden, dass er gut wäre, selbst wenn wir es so empfinden. Die Menschen wollen Helden sehen, Versager sehen sie häufig genug morgens im Spiegel."

"Ich kapier kein…"

"Ich muss jetzt wieder zu meinem Freund."

"Was? Du… äh", Michael versuchte so emotionslos wie möglich zu wirken, so als ginge es ihm da vorbei, wo The Brave heute im Kino läuft, "du hast einen Freund?"

Sie schwieg einen Moment und schien immer noch den Eisberg fixieren zu wollen, der ja gar nicht existierte. "Weißt du, die Leute haben in den Film die vielen Anspielungen gar nicht bemerkt."

"Film? Du meinst The Brave?"

"Genau. Auf der Toilette stehen an der Wand die Worte, die später der andere Kerl zu ihm sagt und das Foto der Frau des anderen Kerls, der nach Öl bohrt, ist dasselbe, wie das auf Marlon Brandos Tisch."

"Du scheinst den Film häufig gesehen zu haben."

"Nein, nur ein einziges Mal. Ich sehe Filme immer nur einmal, lese Bücher nur einmal und schlafe immer nur einmal mit jemanden. Wiederholungen sind langweilig und dienen nur dazu uns zu verdummen."

"Ich dachte die Wiederholung wäre die beste Möglichkeit etwas zu lernen."

"Nein, es ist die beste Möglichkeit in dein Gehirn Strukturen zu brennen, die Ereignisse analysieren, die irgendwann mal in der Vergangenheit geschehen sind. Nein, ich muss jetzt gehen, aber wir sehen uns sicher noch einmal, wir sehen uns ja immer irgendwo."

Dann stand sie auf, zog ihre Hose nach unten, da sie zu eng war und so nicht einfach herunterrutschte und warf ihren Zigarettenstummel ins Wasser.

"Du schläfst wirklich mit jeden Mann nur einmal?" fragte Michael von unten zu ihr hochblickend.

"Das ist mein Prinzip, mit jedem Mann und auch mit jeder Frau nur einmal. Du glaubst gar nicht, wie sich die Leute zurückhalten, wenn du ihnen klar machst, dass es dir damit ernst ist."

"Das hätte ich nicht gedacht."

"Ja, der Mensch will alle Möglichkeiten haben, er will sie nicht wirklich nutzen, aber er will sie haben. Er will aus eigener Entscheidung heraus die Möglichkeiten ablehnen."

"Verstehe."

"Tust du?"

"Aber klar doch…", er tat es nicht, aber er spürte, dass das Universum wusste, was sie meinte, "äh, wirst du das Theaterstück Morgen sehen."

"Spielst du mit?"

"Ja, und außerdem habe ich es geschrieben."

Sie lächelte, blickte zum Mond und zuckte dann mit den Schultern. "Ich weiß noch nicht, ich muss jetzt gehen. Aber wir sehen uns sicher irgendwo."

Am nächsten Morgen war vom kühlen Nebel nichts mehr zu spüren, die schwüle Hitze war genauso wieder da wie der unerbitterliche Druck des Direktors, der mit Hilfe von Kadirs Häschern genaustens darauf achtete, dass jeder seine Binde trug und sich an die damit verbundenen Verpflichtungen hielt.

Nach dem gemeinsamen Frühstück hielt Direktor Neff allen eine halbstündige Standpauke über die "Ereignisse des Vortages", wie er es nannte. Gleichzeitig kündigte er an, dass er nach langer Diskussion mit der O.C. Melanie zu dem Entschluss gekommen ist, das Volleyballturnier doch noch fortdauern zu lassen und läutete um 11:00 Uhr die Viertelfinalspiele ein.

Während des anschließenden Mittagessens kam dann Unruhe auf. Einige waren von den Tischen aufgestanden und aus der Halle hinaus ins Freie gelaufen. Auch Neff erschien und wollte den Grund für all die Aufregung erfahren.

"Ein makaberer Scherz", erklärte Kadir, "wir wissen noch nicht von wem, aber ich denke, wir sollten eine Strafveranstaltung organisieren, um deutlich zu machen, dass wir das nicht durchgehen lassen. Morgen kommen die Sponsoren und eine solche Sache..."

"Was zum Teufel ist denn überhaupt passiert?"

"Hier diese Plakate wurden überall auf dem Gelände an den Bäumen angebracht"

Kadir gab Neff ein zusammengeknülltes Stück Papier, das Neff unter genervten Gesichtsausdruck wieder glätte und dann las:

Großer Wettbewerb

Männerkonkurrenz

diesen Sonntag

Wer hat den größten Schwanz?

Meldet euch jetzt zum ersten alljährlichen Dycamarter Penislängen-Wettbewerb.

Wer den längsten hat gewinnt eine Nacht im Haus der Ratsmitglieder.


Neff war schockiert.

"Grundgütiger", stammelte er, "welcher kranke Geist hat… Alex Winkler!"

"Ich würde keine voreiligen Schlüsse…"

"Wer soll es denn sonst gewesen sein? Die meisten waren beim Essen, darauf hatte er gewartet, damit ihn keiner sieht. Es kann nur jemand gewesen sein, der den Tagesplan genausten kannte und nur Alex hat ein Motiv. Das war kein Dummer-Jungen-Streich, das ist ein schwerer Verstoß gegen die Ordnung. Hier wird zur sexuellen Perversion aufgerufen und das kann sich Dycamart nicht erlauben... schon gar nicht in Hinsicht auf den nahenden Besuch. Los, Kadir! Ich will Michael sprechen, sofort! Und Reggie und Angelo. Einer von ihnen muss etwas wissen, sie sind Alex' beste Freunde."

Neff ließ drei harte Holzstühle in der Nähe des Sees aufstellen und befahl Michael, Reggie und Angelo sich dort in die pralle Sonne zu setzen. Um sie herum versammelte sich im Halbkreis eine große Menschenmenge, die neugierig zuschaute, aber nicht auf die Idee kam in irgendeiner Weise einzuschreiten.

"Eins steht fest", resümierte Direktor Neff während er vor den dreien auf und ab lief, "der Täter muss Hilfe gehabt haben, sonst hätte er nicht in so kurzer Zeit so viele Plakate anbringen können. Wo seid ihr drei denn eben gewesen, als die Tat verübt wurde."

"Welche Tat denn?"

"Tu nicht so dumm, Michael, ihr drei steckt in der Patsche, wenn ihr mir nicht sagt, was ihr wisst."

Michael blickte auf seinen Arm. "Und was passiert dann? Malen sie meine Binde persönlich rot an?"

"Komm mir nicht dumm, mein Freund."

"Ich bin nicht ihr Freund."

"Ist euch eigentlich klar", tobte Neff weiter, "dass uns unsere Sponsoren den Hahn zudrehen, wenn das hier weiter so zugeht. Erst die Schlägerei gestern, jetzt das hier, ist euch klar, dass das Projekt vorbei ist, wenn das Chaos nicht bald unter Kontrolle ist?"

"Ist ihnen klar, dass es keine Wirkung mehr zeigt, wenn man bei jeder Kleinigkeit aus der Haut fährt?"

"Da hast du recht", bestätigte Neff, "und deshalb habe ich mir was anderes ausgedacht, als euch ständig unnütz anzuschreien: ich weiß zwar nicht, ob nur einer von euch etwas weiß oder alle drei, aber das ist mir egal. Ihr bleibt hier so lange sitzen, bis einer auspackt. Es liegt an euch, ich schone meine Stimme ab sofort."

Dann nahm er sich seinerseits ein Stuhl, stellte diesen aber in den Schatten eines Baumes und genoss den Rest des Nachmittags mit zwei großen und kühlen Flaschen Mineralwasser.

Reggie wollte nach Neffs Ansprache einfach aufstehen und schwimmen gehen, doch Kadir und seine Ordner drückten ihn mit Gewalt auf den Stuhl zurück. Einige protestierten gegen diese unverhältnismäßige Behandlung, doch obwohl die Ordner deutlich in der Unterzahl waren, wagten es nur die wenigsten sich ihnen entgegenzustellen und diese wenigen konnten von den Ordnern in Schach gehalten werden.

Stunden vergingen so, ohne dass irgendwer irgendwas tat. Als Reggie schließlich anfing immer lauter zu jammern, dass er Durst hätte, meinte Neff nur leise aus dem Hintergrund: "Die Sache ist die: ich weiß ja, wer der geistige Vater dieser Plakate ist, was ich nicht weiß ist, wer ihn hier unterstützt. Denn Alex selbst kann herzlich wenig tun, wenn ihm niemand hilft. Wenn ihn aber jemand hilft, und das ist offensichtlich der Fall, dann könnte er für Morgen eine große Aktion planen, wenn die Sponsoren eintreffen. Das könnte zur Folge haben, dass die Sponsoren uns ihre Unterstützung entziehen, denn es ist fraglich, dass ihre Unternehmen mit einer Einrichtung in Verbindung gebracht werden wollen, wo sich Jugendliche gegenseitig die Intimzone messen."

"Aber ich habe Alex doch gar nicht geholfen", erwiderte Reggie, "ich weiß nicht, wer die Plakate aufgehängt hat. Ich habe Durst, großen Durst, mir ist schon richtig schlecht."

"Und selbst wenn das die Wahrheit ist", fuhr Neff fort, "dann weiß einer von den anderen beiden mehr. Und wenn derjenige nicht mit der Wahrheit herausrückt, dann ist er schuld an Reggies Qualen."

Wieder kam Unruhe auf und langsam mehrten sich die Stimmen, die forderten die Aktion abzubrechen, doch noch konnte dem Druck der Masse standgehalten werden.

Schließlich aber kam es, wie es kommen musste, Reggie brach unter der Hitze zusammen. Keuchend und um Wasser flehend wälzte er sich unter Krämpfen am Boden, doch als Michael und Angelo ihm helfen wollten, rief Neff sie zurück.

"Nein, nein, lasst ihn ruhig liegen, der wird schon wieder, vielleicht wird er dann endlich vern..."

"Was soll das, sie Scheißkerl?" brüllte Michael ihn an. "Sind sie vollkommen übergeschnappt oder was? Was soll die ganze Scheiße hier eigentlich bewirken? Wir sitzen seit drei Stunden in der prallen Sonne, im Schatten sind es ja schon über 30 Grad, was haben sie eigentlich erwartet?"

"Nun, offensichtlich ist alles schlimmer als ich zunächst dachte", erwiderte Neff. "offensichtlich könnte Reggie sogar vor euren Augen verrecken, bevor ihr endlich damit rausrückt, wer für diese Plakate verantwortlich ist."

Endlich gelang es Sandra durch die Reihen der Ordner zu brechen, da diese selbst Zweifel bekamen. Sie hatte eine Flasche Wasser in der Hand und wollte damit zu Reggie.

"Oh nein, das werden sie nicht", erwiderte Neff und trat ihr die Flasche aus der Hand, so dass diese am Boden zersprang und sich über den Rasen verteilte.

"Naja", meinte Neff, "der Rasen hatte es auch mal wieder nötig. Kadir, hol für Frau Phillip einen Stuhl, sie wird sich zu den dreien gesellen."

Gemurmel ging durch die Menge, einige fingen an zu protestieren und Kadir stand einfach nur da und regte sich nicht, blickte verwirrt und unsicher vor sich, während die Proteste lauter wurden.

"Kadir?"

Hinter ihnen ließen die Ordner jetzt Melanie passieren, die mit einer weiteren Flasche Wasser auf den Weg zu Reggie war.

"Oh nein, was fällt dir ein?"

Neff stürmte sofort wieder zurück, doch Melanie war schneller und konnte Reggie ein paar Schluck zu trinken geben, bevor Neff sie von hinten schnappte und wegzog.

"Lassen sie mich los", schrie Melanie und strampelte mit den Füßen in der Luft, bevor sie Neff mit scheinbar übermenschlicher Kraft wegschleuderte. Sie landete unsanft auf den Boden. Ihr Freund Charlie wollte ihr helfen, doch wurde sofort von einer Reihe von Ordner festgehalten.

"Haltet den Mob von mir fern", rief Neff, doch es war zu spät. Manuel, der Bär, übernahm das Kommando eines Teil der Ordner, die sich weigerten Neffs Befehlen weiterhin zu folgen und stürmte mit ihnen auf den übriggebliebenen Teil der Ordner zu, die Neff in einer Halbkreis-Formation zu schützen versuchten. Hinter ihnen folgte der größte Teil der Menge und sprengte den kleinen Schutzwall an Menschen. Manuel zog den wild protestierenden Direktor an seinem eigenen Kragen fort vom Wasser und hinein ins Haus, das er dann von außen verriegelte und Neff somit allein einsperrte.

"Das werdet ihr noch bereuen!" zeterte dieser. "Das ist Freiheitsberaubung, ich werde euch alle anzeigen, dass das klar ist!"

Manuel dagegen übernahm nun das Wort, da Melanie von der ganzen Sache vollkommen eingeschüchtert nur noch wimmernde Geräusche von sich gab, während Charlie versuchte sie zu trösten. Manuel sprach laut, deutlich, klar und keiner nannte ihn jemals mehr der Bär. "Er mag Recht haben, dass dies Freiheitsberaubung ist und wir uns damit strafbar machen, aber was wir getan haben, war Selbstverteidigung. Herr Neff hat offensichtlich seinen Verstand verloren und dass wir ihn vorübergehend einsperren mussten, ist zur Sicherheit aller, auch seiner eigenen."

"Und was machen wir jetzt? Holen wir die Polizei?" fragte irgendjemand aus der Menge.

"Nein", erwiderte Manuel, "mit einem hatte Herr Neff nämlich Recht, die Sponsoren springen ab, wenn sie davon erfahren. Ich glaube aber, wenn die Sponsoren erst mal hier sind und wir ihnen alles in Ruhe erklären können, ihnen beweisen, dass das Projekt an sich nach wie vor unterstützenswert ist und dass nur Direktor Neff irgendwelche psychotischen Probleme bekommen haben muss, Sandra kann uns das sicher bestätigen und auf sie wird gehört werden. Man wird uns für unser couragiertes Vorgehen wahrscheinlich sogar loben. Neff wird nicht sterben, wenn er bis Morgen Nachmittag im Haus bleibt, er hat dort ein großes Bad, Essen im Kühlschrank und sogar einen Fernseher. Er hat es weit komfortabler als alle anderen hier. Wir postieren ein paar Wachen an den Fenstern, dass er sich nicht rausschleicht und ich verspreche euch, Morgen wird alles wieder gut sein."

"Und was machen wir jetzt?"

Manuel zog seine Binde aus und warf sie vor sich. "Wir verbrennen unsere Binden! Danach geht das Fest wie geplant weiter."


Kapitel 9
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 11