Kapitel 11
Hierher kommt die Kunst um zu sterben
Danach wurde das Fest wieder erstaunlich entspannt. Hin und wieder fiel mal ein Blick auf das Haus, in das sie Direktor Neff eingesperrt hatten, aber keiner sprach mehr über ihn. Er war wie der Teufel oder der Tod, der ständig hinter den Menschen stand und geduldig seine Sichel wetzte, wohlwissend, dass am Ende ihm doch keiner entrinnt. Man wusste es. Man wusste auch, dass Neff nicht einfach am Sonntagabend nach Hause fahren und sich nicht mehr um die Sache kümmern würde. Die Sache, geschehen im Affekt, würde noch gewaltige Wellen nach sich ziehen und sie würden Verantwortung dafür übernehmen müssen, zumindest einige von ihnen, Manuel, Sandra und wohl auch Alex, obwohl keiner wusste, ob er überhaupt etwas mit der Sache zu tun hatte. Auf alle Fälle tauchte er erst bei Anbruch der Dunkelheit in Dycamart auf und beteuerte von der ganzen Sache nichts zu wissen. Er wäre nur gekommen, um sich heimlich das Theaterstück anzusehen und hätte bis zur Dämmerung gewartet, um das Gelände ungesehen betreten zu können.
Jetzt hatte das Theaterstück begonnen und zog alle in seinen Bann, was erstaunlich war, denn außer Sandra waren nur Jugendliche anwesend und im Schatten eines hereinbrechenden Millenniums, des 3. Jahrtausends nach Jesus Geburt (bei der er wohl geschrien hat wie jedes andere Baby) kursierte das Gerücht, dass sich Jugendliche nur für Popstars, Hollywoodfilme, Alkohol und (je nach Geschlecht und Neigung) Mädchen oder Jungs interessierten. In gewisser Weise war das auch so, aber es lag nicht an mangelnder Intelligenz oder Interesse, sondern schlicht an mangelndem Bezug zur Kunst, sowie geschickter kommerzieller Propaganda. Tatsächlich waren die Menschen, die in der Werbebranche arbeiteten, Goebbels Söhne und Töchter. Subtiler waren sie geworden, aber den Geist zerstörten sie noch mit der gleichen Macht.
In Dycamart mit dem eingesperrten Direktor änderte sich das. Dort auf der Bühne spielten nicht irgendwelche Fremde, sondern enge Freunde, das Stück war nicht Jahrhunderte alt, es wurde von jemandem geschrieben, der aus ihrer Mitte kam. Und es war niemand da, der ihnen sagen konnte, ob sie das Stück gut oder schlecht finden sollten, sie mussten es sich einfach selbst erfühlen.
Zudem spielte Michael fantastisch. Er wusste nicht einmal, ob Nadja wirklich im Publikum war, aber allein die Möglichkeit, sie könnte ihn sehen oder auch nur hören, ließ ihn über sich selbst hinauswachsen. Sie war mit ihm auf dieser Bühne, das fühlte er, sie war der Kontrapunkt seiner Seele, das Tau, das ihn im tobenden Sturm auf das rettende Schiff zog. Er bewegte sich auf der Bühne, als hätte er sein ganzes Leben nichts anderes gemacht, keine andere Rolle gespielt, er bewegte sich nicht wie ein Schauspieler, er bewegte sich als sei er tatsächlich der Narr. Und er war es.
"Unser ganzes Leben ist doch nur eine Kette von Rollen, die wir spielen um im nächsten Stück endlich einmal den Helden mimen zu können", schallte es von der Bühne als sich Alex entfernte, um eine der zahlreichen Toiletten am Rande von Dycamart aufzusuchen.
In der Dunkelheit hatten sich Gruppen gebildet, Freunde, die sich miteinander unterhielten, Liebende, die sich küssten, Fremde, die miteinander Musik machten, trommelten und sangen.
Irgendwo in dieser Dunkelheit schluchzte Kadir. Er saß auf dem Boden, den Rücken an ein Dixiklo gelehnt und blickte hinauf zu den Sternen, die hinter seinen Tränen nur noch mehr funkelten. Er trug den langen weiten Umhang des Zauberers, seiner Rolle im Stück, das nach wie vor lief.
"Was machst du denn hier?" fragte Alex. "Du musst doch gleich wieder auf die Bühne. Was ist denn los?"
"Nichts", erwiderte Kadir und versuchte sich vergebens wieder zu fangen. "Es ist nichts. Ich", er schüttelte den Kopf, "ich habe versagt, ich habe so viele Fehler gemacht, verstehst du? Ich geriet in dieses Gefühl der Macht und die Macht ergriff mich, nahm meine Seele und zerschmetterte sie am Boden. Warum habe ich das getan, Alex?"
"Ja, was denn um Himmels willen?"
"Ich habe mich benutzen lassen. Und ich habe Menschen unterdrückt."
"Ja, Gott", erwiderte Alex mit gelangweilter Stimme, "das tun wir alle hin und wieder."
"Nein, ich habe mich zum Narren gemacht. Und das nicht etwa für eine schöne Frau oder unendlichen Reichtum, nein, für Direktor Neff, verstehst du, was ich sagen will", er blickte sitzend zu Alex hinauf, "ich habe meine Freunde verraten für den Menschen, den ich am wenigsten mag. Wie konnte das geschehen? Wie?"
Alex blickte in die Sterne auf der Suche nach einer Antwort, doch mehr als ein hilfloses Seufzen konnte er nicht finden. "Weißt du, Kadir, Menschen, die keine Fehler machen, sind mir suspekt. Sie haben nie das gefühlt, was du in diesem Moment fühlst, in unseren Fehlern erkennen wir, wer wir sind."
Er machte wieder eine längere Pause, so als würde er die Rolle spielen, die Neff ihm versagt hatte und die jetzt ein anderer spielte, wenngleich es Alex auch sehr befriedigte, dass der König beim Finale nicht mehr dabei war, weil er da schon das Zeitliche gesegnet hatte durch die Hand des Händlers.
"Was geschehen ist, können wir nicht wieder gutmachen, nicht durch übertriebene Trauer oder heuchlerische Reue. Wir müssen nur mit aller Kraft verhindern, dass es sich wiederholt. Und das kannst du jetzt allen zeigen, indem du auf diese Bühne gehst und deine Rolle so gut spielst, dass keiner den Mund mehr zukriegt."
"Du bist ein Arsch, Alex, weißt du das?"
"Ja, weiß ich."
"…was ist dies nur für ein merkwürdiger Ort?", schallte Prinzessin Melanie von der Bühne, die als Dekoration nichts außer ein paar auf Pappe gemalte, kahle Bäume aufwies, die aber so einen beeindruckenden Kontrast zum Grün der sie umgebende, echten Bäume darstellte.
"Das hier?" erwiderte Michael, der Narr, der als einziger in diesem Moment die Bühne mit ihr teilte. "Das ist der Ort der größten Verdammnis, die dunkelste Wintersnacht, die finstere Ewigkeit. Hierher kommt die Kunst um zu sterben."
"Ich verstehe nicht."
"Wer tut das schon, Prinzessin? Euer Vater, er war ein kluger Mann, doch er starb durch die Hand eines gierigen Geizkragens, der nur einem Gott huldigt, dem Gott des Profits. Jetzt sitzt er auf eures Vaters Thron, der Zauberer, der Mönch und der Poet knien vor ihm und preisen ihn. Und ihr, Prinzessin? Ihr seid hier allein mit dem Narren. Wollt ihr mir denn wirklich weismachen, dass ihr nicht verstündet?"
"Bliebe noch der Lehrling des Zauberers, was ist mit ihm?"
"Der zweifelt noch, aber wenn der Zauberer stirbt, wird er seinen Platz annehmen, denn er wird sein Lehrling gewesen sein."
"Ach, guter Gott, warum hilfst du mir nicht", Prinzessin Melanie wandte ihren Blick sehnsüchtig gen Himmel, "gibt es dich denn vielleicht gar nicht?"
"Exakt", ertönte Kadirs Stimme aus der Dunkelheit, aus der er nun trat, immer noch im Gewand des Zauberers, mit getrockneten Augen und gehässigem Blick, einen der vielen Teile der menschlichen Seele darstellend, die uns zerstören können, "Gott wurde in unserem Kopf erfunden. Nicht er schuf uns, wir schufen ihn, und am Tage, da der letzte Menschen stirbt, wird auch Gott sterben."
In dem Moment kam Charlie im Mönchsgewand auf die Bühne und hatte den dicken Sebastian K. Milkgebicht am Ohr.
"Schweigt, ihr Heuchler", schimpfte Charlie ziemlich authentisch, während Sebastian, der Zauberlehrling vor sich hinjammerte, offenbar auch weil ihm sein Ohr tatsächlich schmerzte, "ich habe euren Lehrling eben bei mehr als gotteslästerlichen Handlungen erwischt. Dazu führt eure verirrte Lehre, der Satan hat von diesem unschuldigen Kind Besitz genommen."
"Der Satan, der Satan", spottete Kadir, "euch ist eure Lage wohl nicht klar, Mönch, der König ist tot, nun ist niemand mehr da, der euch oder euren Glauben schützen könnte."
"Ihr seid der Teufel!"
"Der Teufel? Nein, der Teufel kommt dort hinten", Kadir zeigte an allen vorbei hinter die Bühne und die Zuschauer sahen nun Reggie, der den Händler spielte erscheinen.
"Was ist denn los?" erwiderte Reggie und blieb einige Schritte von den anderen entfernt stehen. "Jetzt schaut mich nicht so an, als wenn ihr es nicht von Anfang an gewusst hättet. Ihr alle habt mich unterstützt, ihr alle habt mir Geld gegeben, um etwas von mir zu erhalten und am Ende da wolltet ihr alles haben, und jetzt wo ich es euch gegeben habe, da fühlt ihr plötzlich so etwas wie Moral? Ihr Heuchler, ihr habt mich benutzt, um eure eigenen sinistren Wünsche erfüllt zu sehen. Und jetzt, da sie erfüllt sind, zeigt ihr auf mich als den Sündenbock? Pah, ich lache in eure scheinheilige Gesichter. Poet! Wo ist der Poet? Er soll ein Lied über dieses schöne Ereignis singen. Poet?"
Sven, der Poet schlich mit bleichem Gesicht auf die Bühne und sah sich dabei immer apathisch um, dann murmelte er etwas vor sich hin, er möchte nichts politisches singen und sang stattdessen irgendeinen bedeutungslosen Schwachsinn von einem Abenteuerland.
"Na, um so besser", bemerkte Reggie, der Händler und neue König, "gar keine Erinnerung an dieses Ereignis ist noch besser als eine geschönte Erinnerung."
Prinzessin Melanie schritt nervös und verwirrt zwischen all den Charakteren hin und her. Ihr Vater, der König, hätte in diesen Moment die Entscheidung getroffen, hätte ihr erklärt, was sie zu denken hatte, doch der König war tot, so torkelte sie von einem zu anderen und landete schließlich beim Narren.
"Ich bin verloren zwischen den Träumen und den Sternen, gibt es dort noch Antworten oder spielen alle hier nur Rollen."
"Natürlich spielen alle nur Rollen", erwiderte der Narr.
"Und wer sind wir dann wirklich?"
"Tausende von Rollen sind in unserem Geist vergraben, vielleicht Millionen. Sie kämpfen gegeneinander, manchmal hat die eine Rolle die Überhand, manchmal eine andere. Was wir sind, ergibt sich aus den Rollen, die wir an der Oberfläche erscheinen lassen, wir sind das, was wir tun, nicht das was wir denken. Man kann uns nicht für die Gedanken, die wir haben, verurteilen, nur wenn wir manche Gedanken in die Tat umsetzen, begehen wir ein Verbrechen."
In diesem Moment wurde das Theaterstück auf gröbste Weise unterbrochen. Geschrei kam aus der Dunkelheit und ein finstere Gestalt mit wirrem Haar und ebenso wirrem Geist betrat die Bühne. In der Hand funkelte etwas, das ein Messer hätte sein können und mit einer allzu schnellen Bewegung ergriff die Gestalt Melanie, das funkelnde Etwas an ihrem Hals.
"Zurück, keine Bewegung", rief Direktor Neff, der nicht nur seine Bewacher ausgeschaltet haben musste, sondern auch seinen Verstand. Er hielt Melanie wie ein Schutzschild vor sich selbst und zog sie langsam von der Bühne. "Ich schwöre euch, ich werde es tun, wenn mir jemand zu nahe kommt. Es ist reine Selbstverteidigung."
"Hören sie auf, Herr Neff", brüllte Kadir in der autoritärsten Stimme, die er aufbringen konnte, "haben sie denn ihren Verstand verloren? Schauen sie doch nur, was sie tun!"
"Was ich tue?" erwiderte Neff hysterisch. "Was habt ihr denn getan? Ihr habt mich eingesperrt! Ihr habt doch alle euren Verstand verloren! Was hättet ihr Morgen denn den Sponsoren erzählt? Hm? Ach, übrigens Direktor Neff ist da im Haus eingesperrt?"
Kadir versuchte sich auf Neffs Logik einzulassen, da diese die einzige Möglichkeit war, ihn überhaupt überzeugen zu können. "Ich bin der Sicherheitschef, sie unter Arrest zu stellen, war zur Sicherheit von Dycamart."
"Lüge", fuhr Neff ihn an, den spitzen Gegenstand (möglicherweise war es die Scherbe einer Flasche) immer noch am Hals von Melanie. "das war ein Putsch, nichts weiter als ein Putschversuch. In eurem kranken, verwirrten Geist habt ihr hier so etwas wie Macht geschnuppert und seid davon high geworden. Seht ihr den rosa Himmel dort? Nein, ihr seht ihn nicht, ihr seht nur das Schwarze und warum? Weil eure Seele schwarz ist."
Er fuhr herum und drohte der Menge mit seiner blinkenden Scherbe in der Hand. Doch dieses Drohen war überflüssig, alle waren zu geschockt im Angesichts des Wahnsinns. Jeder hatte gedacht, so etwas würde sich langsam ankündigen, Schritt für Schritt würde Neff durchdrehen, wenn er denn durchdrehte, aber das ging ihnen zu schnell, das durfte nicht sein.
"Geben sie mir die Klinge", sagte Kadir, "und lassen sie Melanie los, dann wird ihnen niemand etwas tun."
"Niemand etwas tun? Pah, ihr habt mir doch schon längst etwas getan, ihr habt mich hierher gelockt, um mich hinterrücks zu überfallen und bei Wasser und Brot in dieses Haus einzuschließen wie den Grafen von Monte Christo, aber da habt ihr euch geschnitten, ha!"
Als wollte er seinen Worte Nachdruck verleihen, nahm er die Scherbe in seiner Hand und ritzte damit Melanie einen blutenden roten Streifen in den rechten Arm. Sie schrie hysterisch, war aber nicht mehr fähig sich irgendwie zu wehren.
"Keiner kommt näher", drohte Neff, "glaubt nicht, dass ich es nicht tun würde, es wäre Notwehr und ihr wisst es. Ihr führt hier den Herrn der Fliegen auf, aber ich werde es verhindern, bevor jemand stirbt… jemand stirbt."
"Sie sind ja wahnsinnig, Mann", rief nun Michael, doch an Neff gelangte diese Einsicht nicht.
"Wahnsinnig? Ich? Das sagst ausgerechnet du? Sieh dich doch an, du stehst da im Narrenkostüm und weißt gar nichts. Aber ich, ich weiß es, ich weiß alles. Ich weiß, was Alex vorgehabt hat. Ich weiß, dass er eine Revolution plante, die von diesem Gelände ausgehen sollte. Ich weiß, dass Alex gegen den Staat aufbegehren wollte, dass Dycamart eine Art Zentrum einer neuen RAF werden sollte, eine Terrorzelle. Und ihr alle habt euch von ihm zum Narren halten lassen, ha!" er zeigte mit der Scherbe auf Michael. "Der hier hat sich sogar zum Narren gemacht. Oh ja, ich weiß, ihr wollt das nicht glauben, aber Frau Phillip hat mich zu jeder Zeit mit den entsprechenden Insiderinformation versorgt. Nein, einen eigenen Staat müsste man gründen, sich für unabhängig erklären und die ganzen Verstaubten eliminieren. Da staunst du, Alex, was? Waren das etwa nicht deine Worte? Komm schon raus, ich weiß, dass du hier bist, zeig dich, du Feigling, komm rauf auf die Bühne und behaupte, ich würde lügen, behaupte, du hättest nicht davon geträumt, dass Dycamart unabhängig von Deutschland existieren könnte. Komm, lüge die Leute an, vielleicht glauben sie dir!"
Alex bahnte sich den Weg durch die Menge und betrat die Bühne, obwohl er sich nicht mehr ganz sicher war, ob das alles wirklich war oder ob Michael nur die letzte Szene seines Stückes umgeschrieben hatte, eine besondere Art der romantischen Ironie oder einfach nur etwas, dass das Stück ungewöhnlich machen sollte.
"Und nun, Neff?" sagte er mit ausgebreiteten Armen. "Was willst du von mir hören, du altes, krankes Unwesen? Ich habe niemanden Wunden zugefügt, ich habe niemanden in der Sonne schmoren lassen, bis er zusammenbrach. Du warst das. Der Dämon, den du so fürchtest, bist du selbst!"
Das war zugegeben ein wenig theatralisch, aber er stand ja auch auf einer Theaterbühne und die Situation war alles andere als gewöhnlich.
"Gerede, leeres Gerede", erwiderte Neff, "los, sag ihnen, dass ich die Wahrheit gesagt habe."
"Nicht in jeden Punkt."
"Ha, das ist ein Geständnis! Dafür bringe ich dich vor Gericht. Und jedem, der dir folgt."
"Mir folgt niemand."
"Das werden wir sehen! Wenn die Sponsoren Morgen kommen, ist deine Regentschaft zu Ende, Alex, bis dahin werde ich mich in der Halle verbarrikadieren, Melanie kommt zu meiner persönlichen Sicherheit mit und wer immer jetzt noch zu Vernunft kommen sollte, kann mir in die Halle folgen. Alle, die hier bei Alex bleiben, sollten die Nacht noch einmal genießen, denn Morgen werden sie sich als Mitläufer verantworten müssen, wenn die Sponsoren feststellen, was hier geschehen ist."
"Was werden sie denn feststellen, dass der Direktor einer Schule seinen Verstand verloren und sich mit Geiseln in einer Scheune verschanzt hat?"
"Ha, ja glaubt eurem Verführer nur diese heuchlerischen Worte, von meinem Standpunkt aus ist genug gesagt, wer mir folgen will, folge mir in die Halle."
Dann lief er rückwärts, immer Melanie als Schutzschild zwischen sich und Alex, bis er die Halle erreichte und darin verschwand.
Einige folgten ihm, vielleicht 30 oder 40, aber der Großteil blieb draußen vor dem Tor, das Neff von innen verriegelte. Jetzt hatte er sich selbst eingeschlossen.
"Was machen wir nun?" fragte Manuel, der unmittelbar vor dem Tor bei Alex, Kadir, Michael und Reggie stand.
"Ich hab keine Ahnung", erwiderte Alex. "Mein Gott, wenn er Melanie was antut…"
"Was ist nur in ihn gefahren?"
"Ich weiß es nicht. Es ist mir auch egal, wir müssen jetzt schlimmeres verhindern."
"Und wie?"
"Lasst uns Fackeln aus Holz herstellen und um die Halle postieren. Er soll sich nicht rausschleichen können und noch mehr Menschen gefährden. Wir müssen die Sponsoren Morgen zuerst sprechen, dann können wir vielleicht alles hinbiegen."
Kadir blickte skeptisch auf die dunkle Halle, die in der Nacht stand wie ein nicht aus der Realität weichen wollender Drache, der die Prinzessin entführt hatte und nun nicht mehr preisgab. Sie konnten nicht bis zum Morgen warten.
"Nein", sagte Kadir, "wir müssen sie da raus holen. Sonst wird sie den Morgen nicht erleben."
"Du glaubst, er tut ihr wirklich…"
"Ich spüre, dass in dieser Nacht jemand sterben wird", meinte Kadir bitter.
"Wir sollten die Polizei holen", schlug Manuel vor, doch Kadir verneinte.
"Bis die hier ist, könnte es schon zu spät sein, wir müssen handeln."
Mittlerweile waren auf Alex' Anweisungen eine Reihe von brennenden Ästen vor das Tor gebracht worden, die die Nacht nun erhellten in einem mystischen Flackern, das ihr Bewusstsein veränderte. Im Feuer der Nacht brachen archaische Strukturen in ihnen durch. Der Stall wurde zu einer Burg, die sie erobern mussten, um eine der ihren zu befreien, es war Troja, das Helena in seinen Mauern gefangenhielt und damit einen Krieg provozierte. Sie mussten ins Innere gelangen, um sie befreien zu können, doch sie hatten weder einen Achilles noch ein hölzernes Pferd, nur brennendes Holz.
"Und wie kommen wir rein?"
"Wir brauchen eine List", erwiderte Michael, "irgendeinen Trick, der entweder einen von uns rein oder Neff rausbringt."
Mit den brennenden Holz hatte man einen Halbkreis um die Halle gebildet, so dass es von innen ausgesehen haben musste, als bilde sich der innerste Kreis der Hölle um sie. Gegen das Licht zeichneten sich die Silhouetten von Alex, Kadir, Michael und Reggie ab. Manuel dirigierte die Fackelträger und war so einige Schritte entfernt.
"Wir könnten einfach reinstürmen, die Tür eintreten und sie so überraschen, dass sie gar keine Zeit zum reagieren haben", schlug Kadir vor, doch Michael hielt das für absurd.
"Da hat er Melanie schon dreimal die Kehle aufgeschlitzt, bevor wir überhaupt die Tür zertrümmert haben."
"Wir müssen jemanden reinschmuggeln", meinte Reggie, "unerkannt, ein Spion oder so was, wie Robin Hood beim Bogenschützenturnier."
"Robin Hood?" erwiderte Kadir skeptisch. "Also weder ist Melanie Maid Marianne noch ist Neff der Sheriff von Nottingham."
"Nein, aber das hier ist der Sherwood Forest."
"Was?"
"Ich könnte aufs Dach fliegen und mich reinschleichen?" meinte Michael in vollem Ernst.
"Was?"
"Ja, ich kann fliegen, wisst ihr das denn nicht?"
"Was? Sag mal", aus Kadirs Stimme klang Verzweiflung, "also, ihr zwei seid echt nicht zu fassen. Bei den ganzen Proben für das Theaterstück hatte man echt das Gefühl, dass ihr endlich mal ein wenig normal werden würdet, dass ihr zumindest wenn's drauf ankommt so etwas wie Verstand zeigt, aber ihr seid einfach nur ununterbrochen bekifft. Na los, Superman, dann flieg doch los."
Für einen Moment wurde es deutlich ruhiger und Michael blickte Kadir ganz ernst und aufrichtig an. Kadir hatte tatsächlich für den Bruchteil einer Sekunde Angst, dass Michael sich wirklich in die Lüfte erheben würde wie ein Racheengel und feuerspeiend alles vernichten würde, doch kein Millimeter bewegte Michael sich.
"Na also", bemerkte Kadir sich selbst beruhigend, "hat noch jemand eine solch geniale Idee?"
"Wir zünden die ganze Hütte einfach an."
"Oh, Alex, der Feuerteufel mal wieder."
Mittlerweile war Manuel zurückgekehrt und hatte die Fackelträger sich selbst überlassen. Er war völlig außer Puste und wirkte im flackernden Licht und mit zerzaustem Haar wie der Bigfoot höchstpersönlich. Um sie herum hatten sich je nach Charakter verwirrte oder wütende Gesichter versammelt, die lauthals die Herausgabe Melanies forderten. Während Alex und seine Freunde noch über die Vorgehensweise diskutierten, beschlossen andere zu handeln. Mit aus Tonnen und Töpfen improvisierten Trommeln schlugen sie monotone Rhythmen an und bewegten sich Schritt für Schritt auf die Halle zu. Beschwichtigungsversuche von Kadir, Alex und Manuel schlugen fehl, mit den brennenden Holz in der Hand fühlten sie sich unbesiegbarer als Siegfried und Achilles zusammen, sie waren entschlossen Melanie herauszuholen, tot oder lebendig.
"Lass gut sein, Manuel", sagte Alex beiläufig als jener versuchte den Mob noch irgendwie aufzuhalten , "wir können es nicht mehr verhindern. Dazu ist es jetzt zu spät."
"Aber das Projekt…"
"Das Projekt ist längst gestorben. Es ist vorbei, Manuel."
"Wisst ihr was mich eigentlich wirklich als einziges stört", meinte Kadir, "diese Szene hier, dieser Sturm auf die Halle mit all den vielen Fackeln… wie in dem Film Frankenstein. Und wenn wir der Mob sind, wer ist dann das eigentlich unschuldige Monster?"
"Du siehst zu viel fern."
"Ja, vielleicht."
Mittlerweile hatte der Mob die Tor zur Halle eingetreten und stürmte die Festung.
"Warum spricht man beim Fußball eigentlich davon, dass ein Tor fällt, wenn es in Wahrheit doch geschossen wurde?"
Die Frage ging im Jubel der Menge unter, die in der Scheune Verwüstungen anrichteten auf der Suche nach Neff und seinen Anhängern.
"Verdammt", brüllte Michael, "wo ist Nadja?"
"Ich weiß nicht mal, wer die Frau ist."
"Sie muss da drin sein, auf einer der beiden Seiten", und Michael rannte dem Mob hinterher, wobei ihm völlig gleich war, auf welcher Seite sie kämpfte.
Draußen blieben Alex, Kadir und Manuel zurück, nachdem Reggie mit einer gemurmelten Bemerkung, er würde schwimmen gehen, verschwunden war.
Es war wieder relativ ruhig und dunkel geworden. Alex hatte die Zeit hoch in die Sterne zu blicken, die noch genauso funkelten wie am Tag zuvor, so als hätte sich seither gar nichts geändert.
"Wo sind eigentlich Angelo und Sandra?" fragte Kadir. "Ich habe die beiden seit Stunden nicht mehr gesehen."
Durch die Finsternis des Waldes lief Sandra. Hier fühlte sie sich sicher. Die Bäume gaben ihr Schutz vor den grauen Wesen, die sie seit ihrer Jugend verfolgten und zerstören wollten. Niemals, nie, nie wieder sollten sie sie kriegen. Nie wieder sollten sie sie angeifern mit ihren verfaulten, gelben Zähnen, ihren kranken, gierigen Augen und ihren langen, grauen Fingern. Vorbei sein sollte es endlich, hier und jetzt.
Im Funkeln der Sterne, die vereinzelt durch die Kronen der Bäume brachen, sah sie mehr als andere. Sie war nicht verrückt und auch nicht übergeschnappt oder wahnsinnig, sie sah einfach mehr als andere. In einer klaren Nacht konnte ein Sturm über sie hereinbrechen, während alle anderen trocken blieben.
Doch da war noch ein Funkeln, und es war keine Reflektion der Sterne. Es war das Funkeln eines Augenpaares.
Sandra stolperte und als sie sich wieder versuchte aufzurappeln, starrte sie genau in das Gesicht eines der grauen Wesen, das aufschrie wie eine erschrockene Katze. Sie hatten sie gefunden.
Sandra versuchte wegzurennen, doch plötzlich waren sie überall. Sie waren die ganze Zeit schon da gewesen und hatten sich nur versteckt, um jetzt, da Sandra ungeschützt war, aus der Dunkelheit hervorzupreschen und sie so niederzustrecken. Eines der Wesen konnte sie noch abschütteln, ein zweites klatschte sie mit einem gezielten Fußtritt gegen einen Baum, unter dem es liegen blieb und sich nicht mehr rührte, doch bevor sie aus den Wald herausfinden konnte nach Dycamart, wo sie um Hilfe hätte rufen können, stürzten sich drei Wesen auf einmal von einem Baum auf sie und brachten sie so ins Trudeln.
Vor dem See fiel sie hin und spürte wie das Wasser ihr Gesicht immer wieder berührte, wieder zurückfloss und wieder ihr Gesicht einschloss. Die grauen Wesen tanzten auf ihr einen Freudentanz, denn endlich hatten sie Sandra gefangen, endlich war es vorbei mit ihrer Flucht und dem anmaßenden, dekadenten Versuch unschuldige Jugendliche von der Macht der grauen Wesen befreien zu wollen.
Noch einmal rappelte sich Sandra auf die Füße, ihr Kleid war zerrissen und überall hatte sie Schürfwunden, doch für einen kleinen Moment sah sie so etwas wie Hoffnung, ein rettendes Ufer, dort hinter dem See. Die Insel musste sie erreicht, denn dorthin konnten die grauen Wesen ihr nicht folgen.
Und so stürzte sie sich ins Wasser mit zwei der Wesen an ihrem Knöchel, die versuchten sie aufzuhalten.
Das Wasser floss ihr in die Ohren und ihre Haare standen in Schwerelosigkeit, doch egal wie tief sie auch tauchte, ein paar der Wesen folgten ihr und konnten offenbar mindestens genauso lange die Luft anhalten.
Am Boden angekommen rang sie mit ihnen. Sie begrapschten sie überall und zogen sie immer wieder an die Oberfläche, um sie dem kalten Wind auszusetzen, der ihren Körper zerfressen sollte, doch Sandra war noch einmal stärker. Sie tauchte immer wieder unter, bis ihr die Wesen nicht mehr folgen konnten. Von der Wasseroberfläche starrten sie mit ihren gelben Augen hinunter zu ihr, dort wo das Licht so hell strahlte. Sie hatten sie für immer verloren und Sandra hatte sich für immer von ihnen befreit, in einem nassen Grab.
Michael wühlte sich durch eine prügelnde Menge. Es war gar nicht so ganz klar, wer auf welcher Seite kämpfte, jeder hatte sich einfach irgendwen geschnappt und schlug auf diesen ein. Michael hatte gehofft anhand von Direktor Neff die Guten von den Bösen unterscheiden zu können, doch Neff war nirgends zu sehen, genauso wenig wie seine Geisel.
Manche schlugen auch gar nicht, sondern traten oder zogen an den Haaren, stießen den Kopf des Gegenübers auf einen Tisch oder gegen die Wand bis Blut darüber lief und Michael war über sich selbst erschrocken, dass er im Angesicht dieser völlig außer Kontrolle geratenen Gewalt nur an Nadja denken konnte. Würde jemand sterben, es wäre ihm egal. Dennoch unterbrach er einige in ihrem Kampf, allerdings nur um zu fragen, ob sie Nadja gesehen hätten.
Dumme Gesichter waren die üblichen Reaktionen und manchmal waren die Gesichter auch saudumm, aber immer unterbrachen sie ihren Streit dabei, so als wäre dieser gar nicht so wichtig und als Michael weiterhetzte, um seine Nadja zu finden, starrten sich die Streithähne nur an, so als wüssten sie nicht mehr, weshalb sie sich eigentlich geschlagen hatten. Tatsächlich hätte man Michael mühelos folgen können, indem man einfach die noch Streitenden mied und die dämlich glotzenden suchte. Nach einer Weile aber erkannten die meisten wieder, dass es einen Grund für ihren Streit gegeben haben musste, irgendwann einmal. Was dieser Grund war, das blieb ihnen zwar weiterhin verschlossen, aber beide waren sich sicher, dass es ein wirklich guter Grund gewesen sein musste, sonst hätten sie ja gar nicht angefangen, so verbittert zu kämpfen. Also prügelten sie sich weiter das verbliebene Resthirn heraus.
Michael dagegen kämpfte sich tapfer über das Schlachtfeld, heftige Schläge und Tritte vermeidend, nur ein bisschen Rempeln hier und da. Doch gerade als er in den hinteren Bereich der Halle dringen wollte, um herauszufinden, ob Nadja sich vielleicht irgendwo in den Zimmern versteckt hielt, sprang ihn von hinten jemand an und umklammerte seinen Hals.
"Grglbrgl… wer zum… glr…"
Als Michael seinen Angreifer endlich zu fassen bekam, indem er rückwärts gegen die Wand lief und seinem Rucksack dadurch so heftige Schmerzen verursachte, dass dieser stöhnend seine Attacke abbrach.
Es war Sebastian K. Milkgebicht, der Zauberlehrling, der offenbar gut gelernt hatte. Sofort war er wieder auf den Beinen und stürmte auf Michael los, ohne dass Michael sagen konnte, ob Sebastian auf Neffs Seite war oder auf der anderen. Wahrscheinlich wusste es Sebastian selbst nicht.
"Sebastian… warte, ich will doch gar nicht… au, verflucht, schneid' dir mal die Fingernägel."
Sebastian war in einer anderen Welt. Er hatte einen Feind ausgemacht und es war egal, wer dieser Feind war. Er ließ Kampfschreie los und war keinerlei Grammatik mehr fähig. Er sprang Michael wieder und wieder an, prallte zwar meistens von ihm ab, gab aber nie auf. Michael wurde sauer. Nach dem dritten Kratzer mitten in seinem Gesicht, schnappte er sich Sebastian und nutzte dessen Schwung, um ihn mit voller Wucht frontal gegen die Wand zu klatschen, von der er abprallte und regungslos am Boden liegen blieb.
"Sagt mal, was ist denn mit euch allen los", brüllte Michael in die Menge, die davon unbeeindruckt weiterkämpfte, "seid ihr alle bekifft, oder was? He! Hört mir überhaupt jemand zu? He! He! Hallo? … ach, ihr seid doch alle krank!"
Keiner reagierte auf ihn, sie alle waren zu sehr in ihre Schlacht vertieft. Michael wollte damit nichts zu tun haben. Er lief weiter in die hinteren Räume, die sie vor einigen Wochen, auch mit seiner Hilfe, eingerichtet hatten, immer noch auf der Suche nach Nadja.
Er stieß eine Tür nach der anderen auf, fand in den ersten beiden Räumen nichts, im dritten einen 16-jährigen, der vor sich hinzitterte und Michael anflehte ihm nichts anzutun, und im vierten Raum schließlich ein Pärchen, das gerade dabei war Liebe zu machen.
"Ja, seid ihr denn total meschugge?" brüllte Michael die beiden an, noch bevor sich der Kerl, der oben lag und dessen blanker Hintern Michael entgegenstrahlte, sich wegen dieser unerwünschten Störung beschweren konnte. "Da draußen schlagen sie sich gegenseitig die Köpfe ein und ihr habt nichts Besseres zu tun als euch wie die Karnickel zu bespringen? Mein Gott, schau dich doch mal an, du bist ja undicht!"
Ohne eine weitere Reaktion abzuwarten, verließ Michael wutschnaubend den Raum und durchsuchte die drei verbliebenen Räume auf dem Gang. In zweien war nichts und niemand zu finden, doch im dritten saß eine aufgelöste und weinende Melanie.
"Michael", sagte sie, als er den Raum betrat und sprang von dem Bett auf. "Gott sei dank bist du hier. Wir müssen hier verschwinden, bevor Neff zurückkommt. Er hat vollkommen den Verstand verloren."
"Wo ist er denn?"
"Keine Ahnung. Gleich nachdem wir hier reinkamen, hat er sich da rausgeschlichen."
Sie zeigte auf ein offenstehendes Fenster und Michael lief dorthin um hinauszublicken. Nichts als Dunkelheit war auf der anderen Seite.
"Klasse gemacht, Alex", murmelte er vor sich hin, "ihr belagert den Eingang und keiner kommt mal auf den naheliegenden Gedanken, dass man vielleicht auch noch woanders rauskönnte."
"Und was machen wir jetzt?"
Michael blickte noch lange in die Dunkelheit, so als hoffte er Nadja würde erscheinen wie ein gefallener Engel auf dem Weg über dem See aus Eis. Doch dort war nur einsame Dunkelheit.
"Wir?" fragte Michael. "Wieso sollten wir etwas machen?"
Er kletterte aus dem Fenster und sah, dass die Halle jetzt brannte. Melanie kletterte ihm hinterher und ließ sich von ihm durch die Dunkelheit führen. Manuel lief an ihnen vorbei und versuchte erfolglos mit einem arg lächerlich kleinen Eimer Wasser (vielleicht gingen 5 Liter in das Behältnis) das Feuer zu löschen.
Die meisten waren nun vor der Halle. Sie hatten zwar die Intelligenz besessen vor dem Feuer zu fliehen, aber nicht die Weisheit ihren Streit zu beenden. Jetzt prügelten sie sich halt auf dem Rasen, der zudem noch schön, fast romantisch, erleuchtet war.
"Okay, stoppt die Schlacht", rief Michael Alex und Kadir zu, die fassungslos und gelähmt die ganze Szene betrachteten. "Hier ist der Grund für die Schlacht: Melanie, sie ist frei, jetzt stoppt diesen Schwachsinn!"
"Wie können wir etwas stoppen, das wir nicht begonnen haben?" erwiderte Kadir.
"Ihr wollt einfach nur zusehen?"
Alex zuckte mit den Schultern. "Die hören schon irgendwann von selbst auf. Und selbst wenn nicht: was könnten wir schon tun? Auf uns hören sie nicht mehr."
Die Schlacht wurde etwas weitläufiger, so als hätte man sich auf eine größere Tanzfläche begeben, doch das tat der Brutalität keinen Abbruch, im Gegenteil im Schatten der Flammen war der Sieg mehr wert als ein Menschenleben.
Stunden noch kämpften sie weiter, während die Halle komplett abbrannte und Manuel, Alex, Kadir, Michael und Melanie hilflos dabei zusehen mussten. Erst kurz vor dem Morgengrauen gaben viele ihre Gegenwehr auf, so dass die Schlacht Schritt für Schritt endete. Wer die Schlacht gewann, war nicht festzustellen, da am Ende keiner mehr so recht wusste, auf welcher Seite er eigentlich gekämpft hatte.
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