Teil 12: Connemara, Land der Rebellen


Ein Korallenstrand mitten in Irland

Ein Korallenstrand in IrlandAm nächsten Tag sind wir auf den Weg in die Hills of Connemara, einem der schönsten Flecken der Erde. Doch auf dem Weg dorthin machen wir an der Westküste eine Zufallsentdeckung, die wir wirklich nicht in Irland erwartet hatten: ein Korallenstrand in einer Ozeanbucht.

Auch Micko gefällt es hier. Er kann über Felsen springen und in den weichen, warmen Korallen herumtoben. Dann jedoch macht er erstmalig Bekanntschaft mit Salzwasser. Ausgelassen wie er ist, trinkt er aus der Bucht, verzieht die Schnauze und schüttelt sich. Was war das denn? Er versucht es noch einmal. Wieder spuckt und schüttelt er sich.

Ich versuche das jetzt auch mal… stimmt, ist salzig, sogar verdammt salzig, man könnte Nudeln drin kochen und müsste noch verdünnen.

Eine Optik wie in der Karibik Wir verlieren sehr viel Zeit hier. Der Ort ist faszinierend. Optisch ist es wie in der Karibik, doch von den Temperaturen wie Irland. Und nicht nur Micko springt gerne über die Felsen, auch Jochen und ich und am Ende sitze ich am Rande eines Felsen und blicke in die Ferne. Auf dem Foto sieht es leider sehr viel näher aus als es in Wirklichkeit ist. Ein atemberaubender Ort, den man auf jeden Fall gesehen haben sollte. Es zeigt wie vielfältig die irische Landschaft ist und dass sie nicht nur aus grünen Hügeln besteht.

Dummerweise wissen wir nicht ganz exakt, wo er ist. Wir haben ihn ja nur zufällig gefunden und sind mittlerweile in Connemara, wo alle Straßenschilder nur noch gälisch sind. Nach Connemara hatten sich seinerzeit die Rebellen zurückgezogen, hier war es wo die gälische Sprache überleben konnte und vielleicht ist es auch das, was man hier spürt, dass wir an dem Zufluchtsort von Rebellen angekommen sind.

Autofahren in den Hills of Connemara

Aus dem fahrenden Wohnmobil heraus aufgenommen.Viel später als geplant erreichen wir den Lough Inagh, das eigentliche Ziel dieses Tages und unsere Versöhnung mit dem ADAC, denn von diesem ist dieser See umgeben von den Hills of Connemara ein Tipp gewesen. Und es scheint ein absoluter Geheimtipp zu sein.

Die Hills of Connemara gehören sicherlich zu den bemerkenswertesten Landschaften der Erde. Noch im Fahren schieße ich aus dem Wohnmobil durch die Scheibe Fotos und sie sehen alle fantastisch aus.

Die Straße zum Lough Inagh am höflichsten mit "schwierig" zu bezeichnen. In einem Wohnmobil wird man dort ständig hin und hergeschüttelt und wann immer ein Auto uns entgegenkommt, stellt sich die Frage, wie man daran vorbeikommen soll.

Auch durch die Scheibe des fahrenden Wohnmobil aufgenommen und auch dann gibt es in Connemara immer fantastische Bilder Doch hier stellen sich uns nicht nur Autos in den Weg. Schafe laufen mitten auf der Straße, genau auf dem Mittelstreifen, und wenn es keinen Mittelstreifen gibt, treffen sie trotzdem ziemlich exakt die Mitte der Straße. Und sie sehen keinen Grund, weshalb sie einem Auto ausweichen sollten. In Irland haben Schafe Vorfahrt.

Am Lough Inagh gibt es ein Hotel, das jetzt zur Vorsaison aber kaum besucht ist, ansonsten ist um den ganzen großen See herum absolut nichts. Wir verbringen etwa 20 Minuten damit, überhaupt eine Gelegenheit zu finden, wo wir einmal parken und aussteigen können.

Am Lough Inagh

Dann aber laufen wir zum See hinunter und sind erschlagen. Lough Inagh in ConnemaraDer Lough Inagh ist komplett von hohen Hügeln eingeschlossen, die Wolken überziehen das ganze Land und erzeugen ein einmaliges Licht- und Schattenspiel, wie ich es noch nie zuvor gesehen habe. Manchmal scheinen die Gipfel regelrecht das Licht aus ihrem Inneren über den See zu werfen. Die Schatten der Wolken ziehen über die Hügel und über das Land wie makabre Wesen einer anderen Welt. Das Wasser ist weit und unstetig. Der See ist Poesie. Die Sonne wie aus einer anderen Epoche, wie der Schatten einer Erinnerung an eine längst vergangene Zeit. Es ist eine Allegorie auf das Leben und unserer Suche in ihm. Hier ist die Konzentration von allem für was Irland steht. Hier ist die Quelle der Grünen Insel, die Quelle der Grünen Hügel und die Quelle des tobenden Wassers. Hier ist die gesamte Vergangenheit gespeichert und lebendig.

Die Berge um den Loch InaghDer Boden hier ist fast Sumpfartig. Er ist vollkommen aufgeweicht. Ständig sinkt man ein. Einen Baum hat es mitsamt seinen Wurzeln aus dem Boden gehoben. Er lebt noch. Oben, wo das Wohnmobil parkt ist wieder ein Schild, das nur gälische Worte aufweist. Wir spekulieren darüber, was da wohl steht. Vielleicht: "Pinkel nicht in den Wald"?

Wir nehmen in dieser einmaligen Atmosphäre eine Mahlzeit ein und machen uns dann schon wieder auf den Weg. Der Tag wird sich schon bald zum Ende neigen und wir müssen noch einen Campingplatz finden.

Entlang des Lough Inagh    Sonne und Wolken schaffen interessante Licht- und Schatteneffekte auf den Bergen   Mystisches Himmelsspiel

  In Connemara steht alles nur auf Gälisch      
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