Teil 13: Der Ozean


Doolin

Am nächsten Abend erreichen wir Doolin, ein kleines Dorf in der Nähe der Cliffs of Moher. Doolin selbst ist ein Doolin an der Westküste ziemliches Touristenkaff. Es hat zwar eine urige Atmosphäre und Häuser in interessanten Design, doch die vielen Touristen gehen einem hier schon ein wenig auf die Nerven.

Dafür wird man aber mit dem am schönsten gelegenen Campingplatz Irlands belohnt. Direkt an einem Felsenstrand am Atlantik mit Blick auf die Cliffs of Moher. Außerdem kann man bei klarem Wetter bis zu den Aran Islands blicken. Und auch die Himmelsdynamik, die die Wolken vom offenen Atlantik nach Irland bläst, wo sie in dem Land zu versinken scheinen, ist atemberaubend.

Wir bleiben hier 3 Nächte, weil wir auf die Klippen und die Aran Islands wollen. Trotz der vielen Touristen lohnt es sich. Gleich zu Beginn verliere ich mich an dem Felsenstrand. Ich bin nicht der einzige, doch die anderen Menschen hier sind mir sehr fern, ich nehme sie kaum war. Eher fällt mir auf, dass scheinbar immer irgendwer auf dem nahen Parkplatz in einem Auto sitzt und über den Ozean schaut.

Blick über den Atlantik

Blick über den Atlantik Und ich kann es verstehen. Ich könnte Tage damit verbringen, einfach nur über diesen Ozean zu blicken und dabei über diese Felsen zu springen. Dies ist ein einmaliger Ort. Auf ARTE habe ich einmal eine Dokumentation über einen italienischen Krimi-Schriftsteller gesehen, er ist in Sizilien aufgewachsen und hat seine Jugend am Mittelmeer verbracht. Als er später nach Rom ging, verfiel er in Depressionen, war sogar suizidgefährdet. Ihm fehlte etwas in seinem Leben von da und erst als er nach Sizilien zurückkehrte, erkannte er, was dieses etwas war: das Rauschen des Meeres. Und das war nur das Mittelmeer, ich bin hier am mächtigen Atlantik. Wenn ich in die Richtung schwimmen würde, in die ich jetzt blicke, wäre das nächste, was ich sehen würde Kanada, 5.000 Kilometer entfernt, 5.000 Kilometer nichts als die tobende See.

Der tobende Atlantik mit den Cliffs of Moher im Hintergrund Dann aber lerne ich eine schmerzhafte Lektion: beim Laufen über Felsen mit Spalten sollte man niemals in die Ferne blicken. Plötzlich klaut mir jemand den Boden unter die Füßen und ich stürze mit dem linken Fuß in eine tiefe Felsspalt. Ich bin so überrascht davon, dass ich im ersten Moment gar keinen Schmerz fühle und auch als ich mein Bein aus dieser Falle befreie und weiterlaufe, lache ich nur. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass mir an diesem Ort nichts schlimmes passieren kann, ganz egal wie dämlich ich mich auch anstelle. Doch die Schramme, die ich mir dabei am linken Schienbein geholt habe, ist auch noch viele Wochen nach unserer Rückkehr nach Deutschland gut zu sehen. Seither bleibe ich immer stehen, bevor ich in die Ferne blicke.

Touristen-Pub

Revoluzzer-KüheAm Abend laufen wir den recht weiten Weg vom Campingplatz nach Doolin, um in einem Pub zu essen, zu trinken und ein wenig irischen Geist mit zurück zum Wohnmobil zu nehmen. Unterwegs kommen wir an Kuhweiden vorbei und die Kühe starren uns alle merkwürdig und irgendwie psychotisch an. Als ich später wieder in Deutschland bin, erzählt mir ein Freund, dass er die Cliffs of Moher vor Jahren einmal von der anderen Seite zu Fuß erklommen hat. Auch ihm kamen damals die Kühe etwas merkwürdig vor. Nach langen Beobachtungen und vielen Thesen, die wieder verworfen werden mussten, kam er zu der Überzeugung, dass die Kühe insgeheim eine Revolution planen. Im Nachhinein muss ich sagen, ich glaube, er hat Recht. Paarhufer aller Länder vereinigt Euch!

Pub in Doolin Das Pub in Doolin ist mehrfach ausgezeichnet und das Essen schmeckt hervorragend. Ansonsten sind wir aber eher enttäuscht. In ganz Doolin scheinen nur die Bediensteten Einheimische zu sein, alle anderen werden busseweise hierher geschafft und man hat nur Touristen um sich. Irische Musik gibt's auch, aber sie wirkt fade und das Schaulustige der Touristen, die auch noch ständig Fotos schießen, verhindert, dass irgendeine Atmosphäre aufkommen kann, abgesehen von einer unangenehmen. Das hier ist nicht Irland. Aber die meisten hier werden es wohl später glauben.

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