Teil 16: Tralee


Fahrtag

Der nächste Tag ist mal wieder ein Fahrtag. In Ennis essen wir zum einzigen Mal Irish Stew, hier wird man am Tisch bedient (wie zuhause) und zur Nationalhymne wird aufgestanden (hoffentlich nicht wie zuhause). Da Limerick von eigentlich jedem als eher hässliche Stadt bezeichnet wird und wir außerdem Angst haben, dass man sich hier nur in Reimen verständigt, sind wir schon recht früh in Tralee, wo wir zu übernachten beschließen.

Regenbogen über dem Campingplatz Der Campingplatz (vom ADAC natürlich unerwähnt) ist wieder landschaftlich sehr schön gelegen, komfortabel und sauber. Dank des Golfstroms wachsen hier auch Palmen, mitten in Irland. Im Laufe des Abends bekommen wir einen wunderbaren Regenbogen zu sehen und der Platz zum Nachbarn ist diesmal so groß, dass wir Micko sogar teilweise ganz frei herum laufen lassen können.

Wir sind heute noch so voller Energie, dass wir an diesem Abend sogar zweimal in die Stadt hineinlaufen und das obwohl es bis zu den öffentlichen und somit für uns interessanten Gebäuden etwa eine halbe Stunde Fußmarsch ist. Aber was soll's? 2 Stunden zu Fuß unterwegs ist ein Klacks, verglichen mit den letzten Tagen bei den Klippen, wo wir eigentlich immer den ganzen Tag zu Fuß unterwegs waren. Außerdem wirft der Sonnenuntergang ein mystisches Licht zwischen die Hügel bei Tralee, das allein ist der Fußmarsch wert.

Die CDU in Irland

CDU in Irland? Vorher mache ich aber noch beim Gang zur Toilette des Campingplatz aber noch interessante Beobachtungen. Zunächst ist da ein mysteriöse Tür, über der, wie wir schon bei der Reinfahrt gesehen hatten, in großen Buchstaben "C.D.U" steht. Die CDU? Hier? Ist man vor denen denn nirgends sicher?

Doch als ich mir die Tür jetzt näher betrachte, entdecke ich ein weiteres Schild, auf dem erklärt ist, wofür diese 3 Buchstaben stehen: Chemical Disposal Unit. Das ist das Chemieklo. Ich habe irgendwie immer geahnt, dass die CDU in Wahrheit irgendsowas ist.

Merkwürdige Spiritualität

Auf der Toilette dann, beim Händewaschen, grüßt mich ein junger Mann, der gerade eines der größeren Geschäfte seines Lebens erledigt hat. Er hat eine Lektüre dabei gehabt und jetzt, als wir so nebeneinander stehen, kann ich sehen was es ist: The Holy Bible. Er war mit der Bibel auf dem Klo. Welche Psalm man wohl bei Verstopfung singt? Petra jedoch bemerkt, dass ich doch gar nicht wüsste, ob das wirklich die Bibel war, vielleicht hat er nur den Einband um "was anderes" gemacht. Das ist natürlich auch möglich und würde außerdem erklären, weshalb er so lange auf der Toilette war.

In Tralee ist ein Glockenturm Luxus Andererseits scheint hier in Tralee ohnehin eine etwas merkwürdige "Spiritualität" zu herrschen. Auf unserem Weg in die Stadt kommen wir an einer Kirche vorbei, von der plötzlich Glockenschlag ertönt. Das ist noch nicht ungewöhnlich, aber ich kann nirgends einen Glockenturm entdecken. Außerdem schlägt die Glocke ja alles, aber sicherlich nicht die aktuelle Uhrzeit. Dann sehe ich, wo der Glockenschlag herkommt: Drei große Lautsprecher, die weit oben gut im Mauerwerk versteckt sind, erzeugen den Ton.

Das ist ja praktisch! Sollten die Leute mal zum Islam konvertieren, muss man nur die CD wechseln. Hier sind die Leute wohl pragmatisch veranlagt. Das gefällt mir.

Lustiger Abend im Pub

Palmen in Irland Am Abend sind wir dann in einem Pub in der Stadt. Wir haben eines "erwischt", das hauptsächlich Ziel für junge Leute ist. Es ist gerammelt voll und es braucht immer eine Weile, bis man sein Guinness bekommt. Die jungen Leute haben häufig ihre eigenen Pubs, wo sie größtenteils unter sich sind. Aber auch für sie gehört das Pub zur Kultur, auch sie treffen sich alle hier.

Ich nutze die Gelegenheit und trinke auch mal ein Murphy's, bin aber so enttäuscht, dass ich das dritte irische Dunkelbier, Beamish, gar nicht mehr probiere, solange wir in Irland sind. Ein Fehler, wie ich später in Deutschland feststellen soll, wo ich im An Sibin Darmstadt per Zufall zu einem Beamish komme. Beamish ist tatsächlich eine Alternative zu Guinness. Murphy's dagegen kann man getrost vergessen.

Wir sind an diesem Abend wohl nicht mehr so wirklich nüchtern. Auf jeden Fall ist der Heimweg durch einen dunklen Park extrem lustig. Dass Jochen sich noch vor ein paar Stunden so schwer am Fuß verletzt hatte, dass erst gar nicht klar war, ob er überhaupt noch fahren kann, ist schon wieder völlig verdrängt. Ein letzter Whiskey noch auf dem Campingplatz, noch einmal eine Runde mit Micko und dann wird geschlafen.

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