Am Abend beginnt es zu regnen. In der Nacht wird es dann stärker und am Morgen ist der Campingplatz zu einer durchweichten Sumpflandschaft verkommen. Kleine Teiche, manchmal fast Seen haben sich überall gebildet und wir beeilen uns wegzukommen, damit wir nicht irgendwo einsinken und nicht mehr von diesem Campingplatz fortkommen.
Ich will nur noch schnell ein Foto von den Hügeln machen, doch der Regen hat die Sicht so stark verkürzt, dass sie nicht mehr zu sehen sind. Verdammt! Jetzt haben wir es bis zum Arsch der Welt geschafft und haben nicht mal ein Foto als Beweis.
Doch wie sagte der Entdecker der Niagarafälle, als man ihn nach einen Beweis fragte: "Mein Beweis ist, dass ich sie gesehen habe."
Es wird den ganzen Tag regnen, zum einzigen Mal während dieser Reise werden wir nicht einmal für ein paar Stunden die Sonne sehen. Wir fahren vom Ring of Kerry runter ohne viel mehr von ihm zu sehen. Diesmal ist das Wetter wirklich zu schlecht, auch mit viel gutem Willen.
Ganz wollen wir diesen Tag dann aber doch nicht verschwenden und Petra entdeckt im Reiseführer einen Wasserfall bei ich weiß nicht mehr genau, möglicherweise bei Glengariff?
Also fahren wir und fahren wir, während der Regen immer stärker, die Straße immer schmaler und selbst die Tunnels (wo es ja eigentlich nicht regnen dürfte) immer nässer werden.
Irgendwann nach Stunden scheinen wir da zu sein.
Ist das der Wasserfall?
"Ist er das?"
"Glaub schon."
"Und wenn's nur ein kleiner Bach ist, der bei dieser Sintflut hier so stark angestiegen ist? Die Straßen sind schon teilweise überschwemmt."
"Richtig und wenn wir hier noch lange bleiben, können wir über diese Brücke nicht zurück."
"Da vorne ist noch ein Schild, kuck doch mal."
Tatsächlich steht auf dem Schild irgendwas wie Aussichtsort für den Wasserfall. Also folgen wir dem Schild.
Was unmöglich scheint, trifft ein: die Straße wird noch enger und mit einem fröhlichen "Ich fahr da jetzt mal rein" stecken wir schon bald mehr oder minder in einem kleinen Fußweg fest.
"Und wo soll ich hier parken?"
Also wieder zurück. Bei der Brücke merken wir, dass das Wasser in dem paar Minuten sichtbar gestiegen ist.
"So, wir definieren das jetzt als den Wasserfall, den wir gesucht haben, machen ein paar Fotos und verschwinden hier, solange wir noch können."
Hinterher wird es mir klar: der Wasserfall, den wir gesucht haben, war nicht auf dem Boden zu finden. Er kam vom Himmel Wir wollten einen Wasserfall sehen und der Himmel hat uns den gewaltigsten Wasserfall geschickt, den man sich vorstellen kann.
Chaos auf den Straßen
Auf der Weiterfahrt sehen wir immer wieder kleine Wasserstreifen, die schon über die Fahrbahn schwappen. Nicht mehr lange und hier wird kein Durchkommen mehr sein. Was machen wir, wenn die Straßen gesperrt werden sollten? Dann bleiben wir hier stehen und schlafen hier. Wozu haben wir ein Wohnmobil? Langsam fängt's an Spaß zu machen.
Plötzlich ein Stau. Zwei Reisebusse wollen dorthin, wo wir herkommen, ein holländischer Wohnwagen und wir auf der anderen Seite sind zuviel. Schon merkwürdig, die einen wollen da hin, wo die anderen sind, die anderen wollen aber dorthin, wo die einen sind. Ist das eines von Murphy's Gesetzen? Sollte es sein.
Der Wohnwagen versucht auf rückwärts auf die rechte Seite zu kommen, was eigentlich unmöglich ist, um dort in einer kleinen Nische auf den Straßenrand auszuweichen, die Autoschlange kann nicht zurück, weil wir niemals die nasse Straße im Rückwärtsgang raufkommen und die Busse können bei diesem Wetter ohnehin überall eigentlich nur vorwärts fahren, und selbst das sollten sie nach Möglichkeit vermeiden. Aber wenn man sich in Irland von ein bisschen Regen aufhalten lässt, ist man fehl am Platz.
Zwischenzeitlich sieht es einmal so als, als würden sich die Autos, Fahrzeuge, Busse, Wohnwagen, Wohnmobile übereinander in der Straßenmitte stapeln, dann wieder werden 5 Spuren genutzt, wo nur 1 ½ da sind, aber am Ende ist jeder da, wo er hinwollte. Wie? Na, irgendwie halt.
"Ihr habt uns das schöne Wetter gebracht"
Am Abend lässt der Regen nach und wir erreichen Skibbereen an der Südwestküste. Der Besitzer des Campingplatz meint zu uns, wir würden das schöne Wetter mitbringen, weil sie seit Tagen schon nur Regen gehabt hätten.
Doch wir haben das schöne Wetter sicherlich nicht mitgebracht. Wir haben eher die Wolken vor uns hergetrieben und fortgeschickt nach… na, wohin wohl? Nach Holland, da stören sie niemanden.
Wir haben an diesem Tag nicht viel gesehen, aber irgendwie war es trotzdem cool. Es sind die Unabwägbarkeiten, das Überraschende, was Irland so interessant macht.
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