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Glendalough in den Wicklow Mountains ist unser Ziel am nächsten Tag. Dort ist die Stätte des Heiligen Kevin. Der hieß so, weil er alleine in Gledalough (dem Tal der zwei Seen) sein wollte. Er verstand sich gut mit Tieren, die ihm angeblich sogar halfen, wenn er in Not war, und ihn mit Nahrung versorgten.
Mit Menschen hatte er es aber nicht so. Kann man ja auch ein bisschen verstehen. Frauen gar mochte er überhaupt nicht. Er war der Meinung, dass man schwerlich zu einem Heiligen werden könnte, wenn man, was mit Frauen hat. Eine, Cathleen hieß sie, verliebte sich in ihn und ging ihm gehörig auf die Nerven, weil sie immer zu ihm an den See kam und anbot für ihn zu kochen. Erst prügelte er sie mit Brennesseln und als sie danach trotzdem zurück kam, ertränkte er sie im See. Bei uns wäre das Mord oder zumindest Totschlag. Bei den Katholiken wird man dafür heilig gesprochen. Aber Tiere behandelte er immer gut und fürsorglich, was für einen Iren ja nicht unbedingt selbstverständlich ist.
Legenden hin oder her, es ist sehr
wahrscheinlich, dass Kevin niemals existierte, sondern das ist, was die meisten Heiligen und alten Königen (wie z.B. Artus) sind: ehemalige Götter der Kelten oder gar jenes Volkes, das vor den Kelten in Irland war. All diese Götter mussten natürlich später einen passenden Anstrich bekommen, als sich das Christentum als einzig erlaubte Religion durchsetzte.
Glendalough selbst ist ein Ort, an dem man nicht vorbeifahren sollte. Schon bevor wir das eigentliche Gelände betreten, ergibt sich ein interessantes Bild. Zwei Stände sind aufgebaut. Der eine wird von einer jungen Frau geführt, die keltische Accessoires und andere Andenken aus dieser Richtung verkauft. Eine schwarze Katze sitzt ruhig auf einem Tisch und blinzelt uns zu, so als bewache sie die Waren.
Direkt gegenüber, der andere Stand, geleitet von einem etwas bieder gekleideten Mann mittleren Alters. Er verkauft christliche Kreuze, Bibeln und ähnliches.
Beides gehört zur Geschichte Irlands, beides ist Teil dieses Landes, dieser Welt.
Die Wurzeln Irlands
Und Glendalough selbst wohnt auch in diesem faszinierenden Mix aus Keltentum und Christentum inne. Hier gibt es überall was zu sehen für jedermann. Überall sind alte Ruinen, ein uralter Friedhof, der aber auch noch benutzt wird, ein alter Rundturm, der sich spektakulär über diesen Friedhof erhebt und für all jene, die alten Bauten nicht so viel abgewinne können, gibt es zwei gewaltige Seen, die von grünen Bergen umgeben sind, ein schmaler, aber hoher Wasserfall und vieles mehr. Optisch erinnert es ein klein wenig an Kanada, ein weiteres Beispiel für die Vielfältigkeit Irlands.
Hier könnte man Tage damit verbringen umherzulaufen und hin und wieder auf einen Stein zu setzen und über einen der Seen oder hinauf zu den Bergen zu blicken. Wenn es den Heiligen Kevin wirklich gegeben hat, so kann man schon verstehen, warum er ausgerechnet hierher ging, um zu meditieren.
Und auch wir bleiben viel, viel länger, als wir eigentlich geplant haben. Wir dachten an maximal 2 Stunden, doch es werden mindestens 5.
Ein böser Zauberspruch?
Unser letztes Ziel vor Dublin, und somit unser letztes Ziel im Landesinneren, ist die Burgruine von Trim, nordwestlich von Dublin. Wir hatten auch vor zum Hill of Tara zu fahren, dort wurden die keltischen Könige gekrönt, bis etwa 560 n.Chr. war Tara das politische Zentrum Irlands, bevor die Wikinger kamen und Dublin gründeten. Doch wir haben uns zu lang in Glendalough aufgehalten und schaffen es nicht mehr.
Zudem verlieren wir unendlich viel Zeit in Naas, das wohl ein verwunschener oder verfluchter Ort sein muss. Vielleicht wollen die alten Könige von Tara verhindern, dass wir sie finden? Auf jeden Fall fahren wir unzählige Male durch Naas auf dem Weg nach Trim, doch jedesmal kommen wir an einer anderen Stelle aus der Stadt heraus, nur niemals an der richtigen.
Wie in einem Märchen, einer Sage, einem Fantasy-Roman fahren wir in die Stadt hinein und werden irgendwo herausgeschleudert, nicht da, wo wir wollen, sondern da wo die Stadt, wo Naas es will. Irgendwie klingt Naas ja schon wie ein gefräßiges Monster.
Trim und Braveheart
Gerade als wir aufgeben wollen und unseren Blick nach Dublin wenden, kommen wir wieder einmal aus Naas heraus und fahren auf einer Straße, die uns niemals ein Wegweiser nach Dublin schenkt.
Wir fahren eine Weile und plötzlich weist ein Schild nach Trim, das wir somit noch erreichen können, während ein Besuch in Tara zeitlich einfach nicht mehr möglich ist. Es muss wohl wirklich so sein, irgendwer wollte nicht, dass wir Tara erreichen.
In Trim, wo alle Menschen irgendwie gleich aussehen, besuchen wir dann die Burgruine, die auch in dem Film Braveheart zu sehen ist. Es ist nicht verwunderlich, dass ein Film über einen schottischen Freiheitskämpfer teilweise in Irland gedreht ist. Der Film ist ein dramaturgisches Meisterwerk, historisch jedoch ist er so voller Fehler, dass man schreien möchte.
Ins Innere der Burg können wir nicht mehr, sie ist schon geschlossen, aber auch so bietet sie einen imposanten Anblick und die vielen Krähen auf ihren Mauern, die kopfwackelnd im Gänsemarsch darüberlaufen, schaffen eine besondere Atmosphäre.
Am Abend dann ein Campingplatz nahe Dublin. Hier ist man schon eher zusammengepfercht auf einen riesigen, vollkommen begradigten Platz. Wirklich schön ist es hier nicht, aber die Nähe zu Dublin verlangt nunmal eine hohe Kapazität. Dafür hält der Bus nach Dublin auch direkt vor dem Campingplatz und wir sind ja nicht wegen dem Campingplatz hier, sondern wegen Dublin.
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