Teil 24: Heimfahrt


Ein Verdacht

Zurück in England auf einem Campingplatz nahe eines Aquädukts schaut Jochen wieder mal nach Kühen. Er hat scheinbar einen Kuh-Tick. Oder ist er vielleicht Teil der revolutionären Kuhverschwörung und gibt gerade Informationen weiter? Ich sollte ihn im Auge behalten.

Sherwood Forest

Robin Hood Ein letzte Besichtigung machen wir noch, bevor es nach Hause geht: der Sherwood Forest, Robin Hoods Zuflucht. Es ist ein netter Wald zum Spazierengehen und dort gibt es eine mehr als 1.000 Jahre alte Eiche zu bewundern. Aber es wäre gelogen zu behaupten, dass man das alles wirklich unbedingt gesehen haben muss. Wer mal zufällig in der Gegend ist und ein paar Stunden Zeit hat, wird sicher gut beraten sein, dem Wald einen kleinen Besuch abzustatten. Wer aber nie mit etwas Zeit in die Gegend kommt, hat auch nicht wirklich etwas verpasst.

Das Pub am Ende der Welt

Auf dem letzten Campingplatz unserer Reise, gut 50 Kilometer von Harwich entfernt, gibt es zum ersten Mal ein Restaurant. Dummerweise ist es nur am Wochenende geöffnet.

Das würde aber nichts machen, sagt der Campingplatz-Wirt, denn ein Stück die Straße runter, wäre ein Pub. Da könnten wir hingehen, wenn wir Hunger haben. Das klingt gut, denken wir.

Was allerdings der nette Mann mit "ein Stück die Straße runter" gemeint hat, entpuppt sich als ein Gewaltmarsch. Es dauert bestimmt mehr als eine Stunde bis wir dieses Pub am Ende des Universums erreichen, nur um dann festzustellen, dass unser Geld (in England braucht man ja immer noch Pfund) nur noch für eine kleine Zwischenmahlzeit reicht.

Herumhängen in England

Letzter Tag Danach wieder den weiten Weg zurück und dann verbringen wir den Rest des Tages damit mit Micko zu spielen oder im Gras zu liegen, was sich als besonders angenehm erweist, weil es recht warm ist, das Gras weich und Insekten nicht zu sehen sind. Wenn man so da liegt und in die Wolken blickt, die hier eine enorme und spannende Dynamik haben, trauen sich sogar die Vögel ganz nah an einen heran.

Micko kann das derweil nicht lange mit ansehen. Immer wieder fordert er zum Spielen auf, hetzt einem LKW hinterher, der an der nahen Straße, die sonst nahezu unbefahren ist vorbeifährt, hängt sich mehrmals fast auf, weil ihm 10 Meter Leine immer noch nicht genug sind und hat an diesem Tag sichtlich seinen Spaß, nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil wir den ganzen Nachmittag nur für ihn Zeit haben.

Twilight Zone

In der Nacht dann wird es unheimlich. Zumindest für mich. Von draußen höre ich Geräusche, so als würde jemand auf Kies um den Wohnwagen herumschleichen. Es raubt mir für Stunden den Schlaf, doch niemand anders im Wohnmobil reagiert darauf. Höre nur ich es?

Ich schaue noch einmal, ob es nicht vielleicht doch Micko ist. Er hatte mich schon einmal in der Nacht geweckt, weil er geträumt und dabei ständig mit der linken Vorderpfote gegen den Kühlschrank getippt hatte. Doch diesmal schläft er ruhig und regungslos. Da wieder das Geräusch.

Irgendwann beruhige ich mich mit dem Gedanken, dass es sich wohl um irgendein Tier handeln muss, was aber nicht wirklich beruhigend ist, denn jetzt ist zwar die Schlagzeile "Massaker auf dem Campingplatz" aus meinem Kopf verschwunden, dafür sehe ich vor meinem geistigen Auge einen Marder, der unsere Bremsleitungen durchbeißt.

Wie auch immer, irgendwann gelingt es mir einzuschlafen und als ich es am Morgen erzähle, will keiner etwas gehört haben.

"Das hast Du Dir eingebildet", meint Petra, "ich habe so einen leichten Schlaf, ich hätte es hören müssen."
"Ich hab das nicht geträumt", erwidere ich, "und ich bin auch nicht verrückt, zumindest nicht auf diese Weise."

Als ich mich dann draußen umschauen, wird es bizarr. Das Wohnmobil steht auf Gras, der Weg ist betoniert und die Straße asphaltiert. Es gibt weit und breit keinen Quadratzentimeter Kies und auch sonst ist hier nichts, was solch ein Geräusch machen könnte.

Wir machen uns zügig fertig, weil wir die Fähre nach Hause erreichen müssen. Der Campingplatz ist nahezu leer und vereinsamt, nur ein paar Stellplätze von uns entfernt steht ein alter Mann und macht etwas, das wohl Tai Chi sein soll. Es sieht aber eher aus wie grobmotorische Bewegungsstörungen.

Als Petra von der Toilette zurückkommt, sagt sie: "Eben habe ich es auch gehört."
"Was?"
"Dieses Scharren oder Laufen auf Kies. Ich habe es gehört, als ich auf der Toilette war. Und auch da ist nirgends Kies."

Was zum Teufel ist das hier? Twilight Zone? Wir packen zusammen und fahren los, eigentlich war es ja recht schön hier gewesen, aber jetzt bloß weg hier.

Niemand sollte nach Osten reisen müssen

Als wir später am Tag von der Fähre aus Holland sehen können, ist das anders als bei der Hinfahrt, als wir auf England zuhielten. Man sollte nicht nach Osten fahren. Ich bin der Meinung, dass man rein aus poetischen Gründen schon, sollte man immer nach Westen fahren.

Heißt es in Stairway to Heaven nicht: "There's a feeling I get, when I look to the west and my spirit is crying for leaving" ? Wäre es der east statt west, wäre die Wirkung doch eine ganz andere. Also, immer nach Westen reisen. Seit neustem ist die Erde ja rund, also warum nicht? Man kann sogar mit Transsibirischen Eisenbahn immer nach Westen fahren, man muss halt nur im Osten einsteigen.

Irische Geldscheine in Deutschland

In einer deutschen Raststätte essen wir dann eine Gulaschsuppe. Ich bezahle mit zwei irischen 5,- Euro-Scheinen, die zerflettert und zerknittert sind. Alle irischen 5,- Euro-Scheine sehen so aus, manchmal auch 10er, aber niemals höhere Werte. Es ist einfach so, dass ein Guinness ein paar Minuten dauert und während man wartet, wird der 5,- Euro-Schein auf der Theke von allerlei Flüssigkeiten, meistens alkoholische, durchdrängt. Ich finde das nicht schlecht. Auf deutschen Scheinen findet man Koksspuren, auf irischen ist Guinness. Daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen.

Die Kassiererin in der Raststätte schaut mindestens fünfmal auf diese Scheine, weil sie sich nicht sicher ist, ob sie echt sind. Fragen tut sie aber nichts. Sie hat kein Interesse an Kommunikation. Ja, das ist der traurige Beweis: wir sind wieder in Deutschland

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