Teil 3: England


Der ADAC-Campingführer

In England suchen wir dann nur noch den erstbesten Campingplatz. Er ist vom ADAC hochgelobt, weil er Einzelwaschkabinen hat. Wenn so was fehlt, ist man beim ADAC nämlich unten durch. Dem ADAC ist es egal, ob der Campingplatz gut oder schlecht liegt, ihm ist es egal, wie geräumig er ist. Es ist nämlich durchaus problematisch, wenn nicht genug Platz zum Nachbarn ist, dann können wir Micko nicht an einer langen Leinen draußen anbinden, so dass er unbeaufsichtigt ein bisschen die Gegend erkunden kann, während wir in Ruhe im Wohnmobil essen. Ebenfalls vom ADAC unberücksichtigt ist der wichtige Punkt "Nähe zur Fähren". Auf der Heimfahrt 4 Wochen später kehren wir beim letzten im ADAC-Camping-Führer eingezeichneten Campingplatz ein. Am Tag darauf stellen wir dann fest, dass noch 7 (in Worten: sieben) Campingplätze näher an der Fähre liegen, was doch ziemlich entscheidend ist, wenn man eine Vormittagsfähre gebucht hat und nicht mitten in der Nacht aufstehen will. Für den ADAC aber ist nur entscheidend, ob ihnen jemand morgens beim Zähneputzen zuschauen kann oder nicht.

Fazit: der ADAC-Camping-Führer ist nur gut, um die dort eingezeichneten Campingplätze zu finden, die beigefügten Beschreibungen und vorallem Bewertungen sind sinnlos wie ein Kropf. Die schönsten Campingplätze fehlen gar völlig. Man sollte halt deutschen Führern nicht folgen, auch keinen Campingführern. Allein dafür, dass der recht komfortable, bei Doolin gelegene Campingplatz, direkt am Ufer des Atlantiks mit Blick auf die Cliffs of Moher vom ADAC keine Beachtung geschenkt bekommt, sollte man vom ADAC sein Geld zurückverlangen.

Doch noch sind wir in England.

Waldspaziergang

englischer SonnenuntergangVor unserer ersten Nacht im Wohnmobil gehen wir noch in einem nahen Wald spazieren. Von England werden wir nicht viel zu sehen bekommen. Wir sind ja nur auf der Durchreise. Aber englische Wälder haben eine besondere Atmosphäre. In einem englischen Wald kommt eigentlich immer ein Robin-Hood-Feeling auf. Und sich Jochen in der Rolle des Bruder Tuck vorzustellen, fällt nicht schwer.

Während wir in der Dämmerung durch den Wald schlendern, stellt sich uns ein Baum in den Weg. Mitten auf dem Pfad, dem vorgezeichneten, unverkennbar für menschliche Besucher angelegten Waldweg, erhebt sich ein Baum, der so hoch ist, dass einem beim hochschauen schwindlig wird.

So etwas würde es in Deutschland kaum geben. In Deutschland würde eine Horde von Stadt oder Land bezahlter Vandalen mit Kettensägen und schwerem Gerät in den Wald eindringen, dabei drei Tierarten, die nur an dieser Stelle noch in freier Wildbahn leben, ausrotten und 3 Wochen lang damit beschäftigt sein, diesem widerspenstigen Baum den Garaus zu machen, seine Wurzeln zu pulverisieren und die Vogelfamilie, die auf ihm ihr zuhause hat, zwangsumzusiedeln. Auch die Natur hat gefälligst Ordnung zu halten. Die Pfade der Menschen und die Natur müssen strikt getrennt sein. Die Bäume wären bei uns zusätzlich nummeriert. Nicht dass heimlich nachts einer der Bäume auf die Idee kommt, sich woanders hinzustellen. Das wäre ja ein Skandal.

Nicht so in England. Der Baum ragt hoch in den Himmel und ich bin so fasziniert davon, dass ich auch die flachen Witze, die von gerüchteweise mit mir verwandten Personen durch den Wald erklingen, ignoriere. "Müssen wir jetzt links an dem Baum vorbeilaufen?" und "Haben die sogar im Wald Kreisverkehr?" Welch Brüller, welch Schenkelklopfer.

Von England sehen wir sonst nicht viel mehr als die Autobahn nach Wales. Wales selbst ist interessanter, soweit man das im Vorbeifahren beurteilen kann. Es ist landschaftlich schöner, hat viele Burgen, freundliche, sympathische Einwohner und eine Menge Orte mit lustigen Namen. Mein Favorit ist Eglwyswrw östlich von Fishguard und nur weil mir der Name so gut gefällt, will ich dort hin. Doch ich werde überstimmt, weil wir von Süden kommen und angeblich keine Zeit mehr dafür haben.

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