Teil 5: Wexford


Endlich Irland!

WexfordNach der Ankunft müssen wir recht lange im Wohnmobil sitzen, bevor sich die Fähre öffnet. Dann aber ist es soweit. Die Klappe öffnet sich, die Sonne strahlt herein, grüne Hügel erscheinen. Es ist Irland, endlich Irland!

Als Jochen auf dem Campingplatz in Wexford aussteigt, bemerkt er: "Ich hab irischen Boden betreten". Tatsächlich, es ist schon so spät gewesen, dass wir noch nicht einmal aus dem Wohnmobil ausgestiegen sind.

Der Campingplatz wirkt etwas rustikal, liegt dafür aber wunderschön, direkt an der Irischen See. Dort lege ich zum ersten Mal irische Musik auf, Roisin Dubh. Es mag Einbildung sein, aber es fühlt sich anders an, als noch in Wales oder gar auf dem Festland.

Hier sehen wir auch das erste und einzige Mal das irische Fernsehprogramm (das wohl auch mit einigen britischen Programmen vermischt ist). In einem leeren Aufenthaltsraum steht ein Fernseher, den wir einschalten und uns durch etwa 10 Programme switchen: Soap Opera, Soap Opera, Soap Opera, Soap Opera, Soap Opera, Soap Opera, Soap Opera, Soap Opera, Star Trek, Soap Opera… Wexford bei Nachtdasselbe Vorabendprogramm wie in Deutschland. Na Toll!

Bei Nacht sieht man die Lichter von Wexford, die gen Himmel strahlen und sich gleichzeitig in der Irischen See spiegeln. Ein faszinierender Anblick, das kein Foto wiedergeben kann… ich hab's trotzdem versucht zu fotografieren.

Wexford Heritage Park

Frühste BehausungenDer Wexford Heritage Park ist ein ideales Ziel um eine Reise durch Irland zu beginnen. Zwar ist fast alles, was dort zu sehen ist, "nur" rekonstruiert, doch man hat so die Möglichkeit, von der Frühgeschichte Irlands in kaum wettergeschützten Behausungen, über die ersten Mönche, die schon einigen Komfort hatten, bis hin zu den Wikingern und den Normannen die Vergangenheit zu durchwandern und zu durchleben. Man bekommt einen Eindruck davon, wie die Iren früher gelebt haben. Und mit ein wenig Muße und dem richtigen Blick für die Dinge, kann man sich auch ein wenig in das damalige Leben hineinfühlen und so ein Verständnis dafür zu gewinnen, worauf die Kultur der Iren basiert. Denn anders als es in Deutschland üblich wäre, kann man in jede Hütte hineingehen und alles anfassen. Einige kleinere Objekte sind manchmal an einem Tisch festgeklebt, damit sie nicht gestohlen werden, aber die in Deutschland üblichen Sicherheitsabgrenzungen fehlen gänzlich. Man kann alles in die Hand nehmen und genau betrachten, wenn man will. Die Dinge werden realer und lebendiger, wenn man sie berühren kann.

Eine GrabstätteNach dem derzeitigen Stand der Forschung wurde Irland erstmals etwa 7.500 v.Chr., also im Mesolithikum, der mittleren Steinzeit, von Jäger und Sammlern besiedelt. 4.000 v.Chr gab es dann eine neuerliche Einwanderwelle, diesmal von Bauern.

Erst 350 v.Chr. kamen die häufig als ursprüngliche Bewohner Irlands angesehenen Kelten auf die Insel und eroberten diese bis etwa 400 n.Chr. komplett. Kurz darauf, etwa 430 n.Chr., begann bereits die Christianisierung durch Mönche wie St. Patrick.
Ein Monolith
Irgendwann zwischen der Ankunft der ersten christlichen Missionare und der Ankunft der Wikinger machen wir Mittagspause. Jochen bestellt - trotz meiner ausdrücklichen Warnung - ein Guinness aus der Flasche. Es ist sein erstes und letztes. Von da an gibt es nur noch frischgezapftes Guinness und wer jemals versuchen sollte, ihm das schwarze Gebräu in einer anderen Form zu servieren, der sollte sich vorher einen Fluchtplan zurecht legen.

Links von unserem Tisch kann man direkt zu dem nächsten Dorf, der nächsten Epoche der irischen Geschichte blicken. Nur die Spitzen der Hütte sind erkennbar, alles andere ist im hohen Gras versteckt, so dass man die kleine SiedlungEin Kloster von weitem nur schwerlich hätte entdecken können. Zum Schutz des Dorfes verzichtete man entgegen früherer Epochen auf die massiven Holzpalisaden. Stattdessen hat man einen Wassergraben rund um das Dorf gezogen. Das hält etwaige Feinde noch besser ab und kann, wenn man es bewerkstelligt kriegt, Fische in dem Wasser anzusiedeln, auch eine einfache Nahrungsquelle sein, bei der sich die Jäger des Dorfes nicht zu weit vom Dorf und somit in die Gefahr eines Hinterhalts begeben müssen. Es ist interessant zu sehen, wie sich die Befestigungsanlagen Schritt für Schritt im Laufe von Jahrhunderten entwickelten, bevor sie diese massiven Steinklötze wurden, die wir Burgen nennen.

Im Inneren des Dorfes ist es schon sehr geräumig, Platz für Vieh oder auch Freizeitaktivitäten, man soll nicht immer meinen, die Leute hätten damals nur Essen gejagt, gekocht und gegessen. Im Inneren einer der Hütten ist sogar ein kleines quadratisches Brettspiel zu finden.

Gut verstecktes Dorf Wir laufen weiter und kommen zu den Wikingern. Die Normannen, eine Untergruppe der Wikinger, fielen ab dem 8. Jahrhundert in Irland ein, zerstörten zahlreiche Klöster und wurden erst 1014 von den Iren besiegt, durften aber mit politischer Sonderstellung weiterhin in Irland bleiben.

Bei ihnen kann man sich in eine Boot setzen und den Blick über den See schweifen lassen. Ein- oder zweimal schaue ich mich um, irgendwie erwarte ich immer noch, dass irgendeiner Ordner aus einem Busch auftaucht und uns aus dem Boot jagt. Aber so was gibt's hier nicht.

Die letzte Etappe im Heritage Park geht steil einen Hügel hinauf, was gleich zu einigen Beschwerden führt, ob sich das denn überhaupt lohnen würde.

Es lohnt sich. Denn dort oben befindet sich eine authentische Normannenburg. Ab 1169 halfen inner-irische Auseinandersetzungen den Anglonormannen die Insel zu erobern. Die Anglonormannen waren Normannen, die von Frankreich aus England eroberten und dort nun heimisch waren. Bis zum Jahr 1300 hatten diese englischen Invasoren Irland zu zwei Dritteln erobert.

Altes irisches Brettspiel Die Burg im Heritage Park hat ursprünglich einmal in Wales gestanden und wurde hier nur für den Heritage Park aufgebaut, auch macht sie sich auf den Fotos nicht sonderlich gut, aber in dieser Burg zu stehen, umgeben von den weißen Mauern, das sollte man nicht verpassen, nur weil es ein bisschen mühselig ist, dort hinauf zu laufen. Auch der Blick hinunter auf die andere Seite des Hügels ist nicht zu verachten, steht dort doch eine von der Architektur höchst interessante Burgruine direkt vor der Irischen See.

Der Nachmittag geht langsam schon wieder zu Ende und wir beschließen, dass wir uns nach einem Campingplatz für die Nacht umsehen. Wir fahren in Richtung Landesinnere, weil wir ja am nächsten Tag bei Bea sein wollen und so finden wir einen wunderschönen Campingplatz in der Nähe von Kilkenny.

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