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Auch dieser Campingplatz ist ein Bauernhof. Doch anders als in Wales wurde hier sehr auf Komfort geachtet. Die Landschaft ist sehr schön und ausgewogen und man hat viel Platz umherzulaufen. Ein Stückchen weiter unten an einem kleinen Fluss ist sogar eine riesige Wiese, die gerade frisch gemäht wurde und Micko hat endlich einmal Platz sich so richtig auszutoben und mit dem abgemähten Gras zu spielen.
Auf dem Rückweg sehen dann leider auch zum ersten Mal einen nicht so schönen Teil von Irland. In einer abgelegenen Ecke des Campingplatz wird ein Hund an einer Kette gehalten. Kein Mensch ist weit und breit, er ist aggressiv und tobt, bellt, knurrt. Er wird wohl nur als Wachhund gehalten und soll auch nur diese Aufgabe erfüllen. Er hat niemand, der sich um ihn kümmert.
Angenehmer ist der zentrale Campingplatz. Dort werden allerlei Tiere gehalten, Schafe und Ziege laufen ungeniert zwischen den Wohnmobilen, Wohnwagen und Zelten. Man kann weit in die Ferne blicken, grüne Hügel voller kleiner weißer Punkte hinauf. Hier könnte man es durchaus eine Zeitlang aushalten. Es ist einer der größten und komfortabelsten Campingplätze Irlands und da es an solchen im Landesinneren ein wenig mangelt, sollte man sich diesen nicht entgehen lassen, wenn man mit einem Wohnmobil durch Irland reist.
Kilkenny Castle
Am nächsten Morgen sind wir in Kilkenny. Wir brauchen einige Zeit, um für unser überdimensioniertes Gefährt einen Parkplatz zu finden und wollen schon fast wieder aufgeben und weiterfahren, als ein Bauarbeiter kurzerhand das mobile Parken-Verboten-Schild mit seinem Bagger plattwalzt und uns sagt, dass wir doch hier parken sollen.
Die Temperaturen sind für irische Verhältnisse verdammt hoch, knapp über 25 Grad, strahlend blauer Himmel. Wenn wir jetzt Fotos schießen, glaubt uns kein Schwein, dass wir in Irland sind.
Nachdem wir uns die St. Mary's Church angesehen haben, gehen wir zum Kilkenny Castle und sind beeindruckt. Diese Burg aus dem 12. Jahrhundert ist ein gewaltiges Bauwerk in klassischer Architektur. Doch fast noch beeindruckender ist der riesige Park im Inneren des Burggeländes. Der Rasen ist so knallig grün, dass er in Deutschland umzäunt und mit Selbstschussanlagen geschützt werden würde. Die Iren dagegen mähen ihn nur. Dank des vielen Regens ist nicht mehr nötig. Bäume und kleine Alleen sind am Rande des Parks, doch der Großteil ist der Sonne ungeschützt ausgesetzt. Trotzdem ist das Grün an keiner Stelle verblasst. So was kriegt man nur in Irland zu sehen.
Der Park ist so riesig. Als wir uns auf dem Weg machen den Hügel zu erklimmen, den wir zu diesem Zeitpunkt für den Rand des Parks halten, kommt schon wieder die Frage auf, ob sich das denn überhaupt lohnen würde, so weit zu laufen.
Wieder lohnt es sich. Der Park ist noch lange nicht zuende. Hinter dem Hügel geht es noch einmal mindestens genauso weit weiter und danach reihen sich Bäume zu einem Wald auf. Wie groß dieser ist, können wir nicht feststellen.
Auf der anderen Seite der Burg ist noch ein Park. Er ist kleiner und klassischer gehalten. Ein Brunnen ist in der Mitte und alles ist total symmetrisch. Parks dieser Art kennt man von woanders aber genug, lediglich die Bäume am anderen Ende, von wo wir noch ein paar Fotos schießen, haben was für sich.
In die Burg selbst gehen wir nicht. Sie ist in Privatbesitz und der Eintritt kostet Geld. Und ob es im Inneren, noch dazu bei diesem Wetter, sonderlich interessant ist, wagen wir zu bezweifeln. Überhaupt haben wir uns bei unserer Reise vollkommen intuitiv verhalten. Sicherlich haben wir hier und da auch mal einen Blick in den Reiseführer geworfen, um zu sehen, wo welche Sehenswürdigkeiten sind, aber unsere Planung verlief vollkommen spontan. Abends auf dem Campingplatz oder manchmal auch erst morgens nach dem Frühstück haben wir uns die Karte zur Hand genommen und dann entschieden, wohin wir an diesem Tag fahren. Das ist die mit Abstand beste Art zu reisen. Nicht zu sagen, dieses und jenes müssen wir sehen, sondern: da wollen wir hin, was gibt es da zu sehen? Ansonsten hatten wir nur ein paar grobe Zielpunkte: Bea, die Cliffs of Moher, der Ring of Kerry, Dublin und das war's, alles andere ergab sich von selbst.
Von daher haben wir uns auch nicht allzu sehr über die Orte informiert, an denen wir waren. Man häuft so zwar weniger neues Wissen an, mit dem man dann später zuhause angeben kann, aber man hat mehr für sich persönlich von der Reise, wenn man die Gebäude und Landschaften einfach auf sich wirken lässt. In Büchern kann man über die Vergangenheit lesen und sie zumindest teilweise verstehen. In Irland kann man die Vergangenheit auch fühlen. Die Vergangenheit, die Gegenwart und vielleicht auch ein wenig die Zukunft.
Anschließend sind wir in der Fußgängerzone von Kilkenny.
Nungut, Fußgängerzone ist etwas übertrieben. Es ist eine schmale Gasse, in der keine Autos fahren und das auch nur schwerlich könnten. Am Rand des Weges sitzen wie auf einer Perlenschnur aufgereiht unzählige Straßenmusiker. Dieser kleine schmale Weg ist lebendiger als die ganze Innenstadt von Darmstadt, obwohl da immer mehr Menschen sind als hier. In Doolin an der Westküste später und auch in Dublin wirkt das "typisch irische", vorallem die Musik, manchmal ein wenig aufgesetzt. So als sei es nur für die Touristen und nicht seiner selbst Willen. Hier in Kilkenny aber ist alles so echt wie die Gebäude, die noch aussehen wie vor Jahrhunderten.
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